Lesen: Verbot für Social Media unter 14: Studie heizt Debatte in Deutschland an

Verbot für Social Media unter 14: Studie heizt Debatte in Deutschland an

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Eine repräsentative Umfrage des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation zeigt in Deutschland eine breite Mehrheit für ein Verbot der Social-Media-Nutzung für Kinder unter 14 Jahren. Zwei Drittel der 2500 Befragten sprachen sich für eine solche Grenze aus, während 46 Prozent sogar ein Verbot unter 16 Jahren unterstützten.

Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die nach dem Sommer über mögliche Regeln für unter 14-Jährige entscheiden will. Der Streit dreht sich damit nicht mehr um die Frage, ob das Thema politisch relevant ist, sondern wie hart der Staat eingreifen soll und ob Altersgrenzen im Alltag überhaupt durchsetzbar sind.

Besonders deutlich fiel die Zustimmung bei Anhängern der Grünen und der CSU aus: In beiden Gruppen befürworteten 78 Prozent ein Verbot unter 14 Jahren. Unter AfD-Anhängern lag der Wert mit 56 Prozent am niedrigsten. Zugleich fanden sich selbst unter den Befürwortern erhebliche Zweifel an der Wirkung eines Verbots. Die Forscher fassen das so zusammen: Selbst unter Befürworterinnen und Befürwortern eines Verbots für Kinder unter 14 Jahren glauben 55 Prozent nicht daran, dass ein Verbot die Nutzung verhindern kann.

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Die Umfrage zeigt auch, warum die Debatte so aufgeladen ist. 29 Prozent der Befragten sagten, ihnen seien auf Social Media unangemessene Inhalte angezeigt worden. 25 Prozent berichteten von unerwünschten sexuellen Nachrichten oder Bildern. Je 18 Prozent nannten Mobbing und Ausgrenzung sowie Stress und Leistungsdruck durch den Vergleich mit anderen.

Gleichzeitig ist das Bild nicht nur negativ. Die Befragten nannten auch positive Seiten sozialer Netzwerke, etwa ein Gefühl der Zugehörigkeit, die Erweiterung des Horizonts sowie Unterstützung und Rat. Genau dieser Widerspruch prägt die politische Debatte: Plattformen wie Instagram, Snapchat und TikTok werden von den Anbietern in der EU derzeit ab 13 Jahren freigegeben, doch die hält diese Altersprüfungen für unzureichend und arbeitet an strengeren Regeln.

Deutschland steht mit der Diskussion nicht allein. Die Bundesregierung prüft ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren und will nach dem Sommer entscheiden. In Australien ist ein Verbot für Unter-16-Jährige bereits im Dezember in Kraft getreten. Zugleich hat die erst last week ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gefordert.

Der Kern des Streits bleibt damit derselbe: Die Sorge vor Schäden ist groß, die Zustimmung zu einer Altersgrenze ebenfalls. Aber selbst viele Befürworter halten es für unwahrscheinlich, dass ein Verbot den Alltag der Kinder tatsächlich beendet. Genau dort liegt die Schwäche jeder schnellen Lösung, und deshalb wird die politische Entscheidung in Berlin eher ein Anfang als ein Schlussstrich sein.

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