Der US-Sondergesandte für Grönland, Jeff Landry, ist zu einem mehrtägigen Besuch in Nuuk eingetroffen. Es ist seine erste Reise auf die arktische Insel in dieser Funktion, und sie fällt in eine Phase, in der Washington und Grönland zugleich über wirtschaftliche Zusammenarbeit und über offene politische Fragen sprechen.
Landry will am Dienstag und Mittwoch an einem Wirtschaftsforum in Nuuk teilnehmen, das von einem Arbeitgeberverband organisiert wird und Investitionen in Grönland fördern soll. Der US-Botschafter in Dänemark, Kenneth Howery, wird im Laufe des Tages ebenfalls auf der Insel erwartet. Die US-Botschaft in Kopenhagen teilte mit, beide Vertreter sollten mit zahlreichen Grönländern Gespräche führen, um wirtschaftliche Möglichkeiten zu erweitern, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und das Verständnis zwischen den Vereinigten Staaten und Grönland zu vertiefen.
Wie der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen am Dienstag auf einem Demokratiegipfel in Kopenhagen sagte, gibt es bislang keine Einigung mit den USA. Er sagte zudem, die Vereinigten Staaten könnten schon auf Grundlage bestehender Verteidigungsabkommen weitere Basen eröffnen. „Wir befinden uns in Verhandlungen, aber es gibt noch keine Übereinkunft“, sagte Nielsen. „Ich kann nichts Konkretes aus den Verhandlungen sagen, aber wir sind bereit, mehr zu tun und mehr Verantwortung zu übernehmen“, fügte er hinzu. Und er stellte klar: „Wir fordern nur Respekt.“
Der Besuch kommt vor dem Hintergrund eines angespannten politischen Dauerthemas. Donald Trump hat seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 wiederholt Besitzansprüche auf Grönland erhoben. Schon während seiner ersten Amtszeit erklärte der US-Präsident, die USA wollten die Insel kaufen. Ende Januar schloss Trump nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte eine gewaltsame Übernahme aus. Danach setzten die USA, Dänemark und Grönland eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein. Berichten zufolge strebt Trump zudem die Schaffung von drei weiteren US-Militärstützpunkten auf Grönland an und verweist dabei auf die wachsende Präsenz Chinas und Russlands in der Arktisregion.
Für zusätzliche Unruhe sorgt, dass in Dänemark nach der Parlamentswahl von Ende März die Bildung einer Regierung noch aussteht. Nielsen zufolge hat Landry um ein Treffen in Nuuk gebeten, ein Termin dafür war zunächst aber nicht festgelegt. Genau darin liegt der Kern des Besuchs: Die USA suchen offenbar nach mehr wirtschaftlicher und politischer Nähe, während Grönland zugleich auf Anerkennung und Klarheit pocht, wie weit diese Zusammenarbeit gehen soll.

