SC Freiburg steht zum ersten Mal in seiner 122-jährigen Geschichte im Finale der Europa League. Nach dem 3:1 im Rückspiel des Halbfinals gegen Braga trifft der Klub am Mittwoch um 21 Uhr auf Aston Villa, den Tabellenvierten der Premier League.
Als der Schlusspfiff gegen Braga ertönte, lief Trainer Julian Schuster zu den Fans und feierte mit ihnen den größten Erfolg der Freiburger Vereinsgeschichte. Der Sieg kam zwei Wochen nach dem Halbfinal-Rückspiel und machte aus einem ambitionierten Lauf eine Reise bis ins europäische Endspiel, die für den badischen Klub lange wie eine Randnotiz in der großen Fußballwelt wirkte.
Dass Freiburg heute hier steht, ist auch das Ergebnis eines außergewöhnlich langen Vereinsgedächtnisses. Christian Streich übernahm den Klub im Dezember 2011, als Freiburg am Tabellenende der Bundesliga stand. Er hielt die Mannschaft zunächst in der Liga, führte sie ein Jahr später in den Europapokal, überstand mit dem Klub auch den Abstieg 2015 und kehrte direkt wieder ins Oberhaus zurück. Unter Streich erreichte Freiburg zweimal das Achtelfinale der Europa League und einmal das DFB-Pokalfinale. Seine Amtszeit endete 2024, doch die Struktur, die er mitgeprägt hat, trägt weiter.
Schuster passt genau in dieses Bild. Der frühere Kapitän bestritt ab 2008 insgesamt 242 Pflichtspiele für Freiburg, beendete seine Karriere 2018 und blieb dem Verein erhalten. Auch im Sportbetrieb herrscht Kontinuität: Oliver Leki, Jochen Saier und Klemens Hartenbach sind seit 2014 in ihren Positionen. Gegen Braga standen fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Startelf, fünf weitere saßen auf der Bank. Philipp Lienhart, der ÖFB-Teamverteidiger, gehört ebenfalls zu dieser Mannschaft, die auf Gewachsenes statt auf ständige Neuanfänge setzt.
Genau darin liegt der Widerspruch zur Logik vieler moderner Spitzenklubs. Freiburg ist im Europapokal kein Außenseiter aus Zufall, sondern ein Verein, der seit Jahren auf Geduld, klare Rollen und eigene Talente baut. Schuster brachte diesen Gedanken nach dem Halbfinalerfolg mit einem Satz auf den Punkt: Das Allerwichtigste sei in solchen Momenten, genau zu wissen, wer man ist. Für Freiburg ist dieses Finale deshalb nicht nur ein Spiel gegen Aston Villa. Es ist die bislang deutlichste Bestätigung, dass Stabilität im Fußball noch immer eine eigene Kraft entfalten kann.

