SC Freiburg kann am Mittwoch in Istanbul zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte einen Titel gewinnen. Im Europa-League-Finale gegen Aston Villa um 21:00 Uhr steht der Klub vor dem größten Spiel seiner Geschichte.
Christian Günter bringt die Lage auf den Punkt: „Es macht keinen Sinn zu verlieren“ und „Hoffentlich dürfen wir am Ende den Pokal hochheben“. Es ist kein Satz für die Galerie, sondern die knappe Beschreibung eines Spiels, das Freiburg nicht noch einmal bekommt. Auch Julian Schuster weiß, wie viel an diesem Abend hängt: „Schöner und größer ist es, die Vitrine daheim zu füllen.“ Maximilian Eggestein sagt es noch direkter: „Man kriegt in seiner Karriere nicht so häufig die Möglichkeit“. Für einen Klub, der in diesem Wettbewerb zuvor KRC Genk, Celta Vigo und Sporting Braga ausgeschaltet hat, ist das Finale die Belohnung für einen langen, sauberen Weg durch die K.-o.-Runde.
Dass Freiburg überhaupt in dieser Position ist, macht den Abend so besonders. Es ist der erste Einzug in ein Europa-League-Finale, und aus der Rolle des Außenseiters kommt der Bundesligist nicht heraus. Gegenüber steht Aston Villa, ein Gegner aus Birmingham mit einem Kader, der fast dreimal so wertvoll ist, und mit Unai Emery ein Trainer, der weiß, wie man die Europa League gewinnt. Dazu kommt, dass die Engländer seit 1982 nicht mehr in einem internationalen Endspiel standen. Für Freiburg ist das kein Nachteil, sondern der Grund, warum das Spiel überhaupt so groß wirkt: Der Klub ist da, wo ihn vor dem Anpfiff kaum jemand erwartet hatte.
Auf den Rängen wird das genauso sichtbar sein wie auf dem Platz. Die offizielle Freiburger Ticketzuteilung liegt bei 11.000 Karten, doch in Istanbul werden deutlich mehr Unterstützer erwartet. Christian Günter sprach von etwas „sehr, sehr Besonderem“ und davon, dass viele Fans über die gesamte Saison hinweg „so viel geopfert haben“. „Es ist für uns ein Ansporn, wenn man sieht, was sie geopfert haben. Wir werden auch für sie alles geben“, sagte er. Die Vorfreude sei riesengroß, sagte der Kapitän, und genau so tritt Freiburg in dieses Finale: nicht als Reisender mit großem Namen, sondern als Mannschaft, die sich ihre Chance über Monate erarbeitet hat.
Matthias Ginter mahnt trotzdem zur Ruhe. „Letzten Endes ist es Fußball, es ist ein Spiel, es ist ein Finale“, sagte er. Auch Igor Matanovic setzt auf die eigene Unbequemlichkeit: „Ich weiß, wie unangenehm wir sind“, sagte er, und ergänzte, dass jeder gegen Freiburg Probleme bekommen habe und die Mannschaft auch Aston Villa vor Probleme stellen werde. Hinter dem kühlen Ton steckt der Kern dieses Abends: Freiburg ist nicht gekommen, um die Bühne zu bewundern. Der Klub ist gekommen, um sie zu nutzen. Wenn die Mannschaft ihre Nerven hält, kann aus dem größten Spiel der Vereinsgeschichte am Mittwoch tatsächlich der erste Titel werden.

