Mehr als 75 Prozent der getesteten Lebensmittel enthielten Pestizid-Rückstände, und in Österreich fielen mehrere Produkte besonders negativ auf. Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch ließ 64 Produkte aus Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden untersuchen und fand Rückstände von 54 verschiedenen Pestiziden, darunter 27 Stoffe, die in der EU nicht zugelassen sind.
In Österreich wurden 15 Produkte geprüft. Zehn davon enthielten zusammen 30 Nachweise verbotener Pestizide, vier lagen sogar über den gesetzlich festgelegten Grenzwerten. foodwatch forderte die zuständige Behörde auf, diese vier Produkte umgehend vom Markt zu nehmen. Besonders auffällig waren Kotányi Paprika Edelsüß Spezial mit sieben Rückständen verbotener Pestizide, S-Budget Paprika Edelsüß mit sechs und Le Gusto Paprika Edelsüß gemahlen mit fünf.
Die untersuchten Lebensmittel waren keine exotischen Spezialitäten, sondern Alltagsprodukte wie Reis, Tee und Gewürze. Gerade das macht die Ergebnisse brisant: Wer zu solchen Produkten greift, rechnet nicht mit einem Cocktail aus Rückständen, auch wenn die Belastung nicht automatisch bei jedem Produkt gleich hoch ist. foodwatch nannte den Export von in der EU verbotenen Pestiziden einen „Pestizid-Bumerang“.
Der Befund knüpft an eine Zusage aus dem Jahr 2020 an, als die Europäische Kommission ankündigte, den Export gefährlicher Chemikalien zu beenden. Nach Angaben von foodwatch können verbotene EU-Pestizide jedoch weiter produziert und in Drittstaaten ausgeführt werden; ihre Rückstände gelangen dann über importierte Lebensmittel wieder nach Europa. Die Organisation sagte zudem, das derzeitige Kontrollsystem scheine Lücken zu haben.
Für Verbraucher und Behörden ist damit nicht nur die Frage relevant, was in den Produkten steckt, sondern auch, warum ein Exportstopp von 2020 offenbar keine saubere Trennlinie gezogen hat. Die Verantwortung liegt nun bei den zuständigen Stellen, die vier auffälligen Produkte tatsächlich aus dem Handel zu nehmen und die Kontrollen so zu schließen, dass verbotene Pestizide nicht weiter über den Umweg des Imports auf europäische Teller zurückkehren.

