Arminia Bielefeld hat sich am letzten Spieltag erst in der zweiten Halbzeit gerettet und mit sechs Toren nach der Pause den Klassenverbleib gesichert. Zur Pause hatte das Team noch 0:1 zurückgelegen und war damit schon nah am Abstieg in die dritte Liga.
Für den Club war es der jüngste spektakuläre Wendepunkt in einer Serie von sieben emotionalen Jahren. 2020 stieg Bielefeld in die Bundesliga auf, 2021 hielt die Mannschaft dort nur knapp die Klasse, 2022 folgte der Abstieg, 2023 der Sturz über die Relegation in die dritte Liga, 2024 das fast verpasste Entkommen aus der vierten Spielklasse und 2025 schließlich die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Dass am Ende trotzdem Platz 13 stand, klang für Trainer Mitch Kniat fast zu ruhig für die Achterbahnfahrt, die der Verein hinter sich hat. „Am Ende stehen wir auf Platz 13, sieht aus, als wäre es eine entspannte Saison gewesen“, sagte der 40-Jährige.
Der sportliche Wert dieses Endspurts ist hoch, weil Bielefeld erst nach einer Saison voller Belastung und Erwartungsdruck die Klasse hielt. Kniat hatte den Club schon in der Vorsaison zurück in die 2. Liga und ins DFB-Pokalfinale geführt. Danach sagte Sportchef Michael Mutzel, er sei „mega stolz“, dass das Ziel erreicht worden sei und der Club in der Klasse bleibe. Zugleich machte er klar, dass die zweite Liga für den Verein alles andere als bequem gewesen sei: „Dass es in dieser 2. Liga, die so umkämpft ist, für uns nicht einfach wird, war klar“, sagte der 46-Jährige. „Aber die Jungs und die Trainer haben das überragend gemacht.“
Genau dort liegt auch die Reibung nach dem großen Abend. Mutzel sprach zwar anerkennend über Kniat, gab dem Trainer aber keine öffentliche Bestandsgarantie. „Grundsätzlich ist Mitch unser Trainer“, sagte er. „Wir überlegen, was wir zu tun haben - und sagen dann: alles gut oder nicht.“ Nach dem Klassenerhalt kündigte Mutzel an, dass der Club die Zukunft des Trainers in den nächsten Tagen intern besprechen werde. Das passt zu den Berichten, die Marcel Rapp als möglichen Nachfolger genannt hatten; Rapp wurde im Februar von Holstein Kiel entlassen und hatte mit Mutzel bereits in der Jugendabteilung der TSG Hoffenheim zusammengearbeitet.
Kniat selbst stellte nach dem dramatischen Finale vor allem die Arbeitsatmosphäre heraus. „Ich bin froh, hier sein zu dürfen. Mein Trainer-Team fühlt sich hier auch sehr wohl. Es macht Spaß, hier jeden Tag zur Arbeit zu kommen“, sagte er. Nach einem Jahr, in dem Bielefeld zwischen Aufstiegseuphorie, Abstiegsangst und zuletzt einem späten Befreiungsschlag pendelte, dürfte der Verein nun vor einer nüchternen Entscheidung stehen: sportlicher Erfolg allein reicht nicht, wenn die Verantwortlichen über die nächste Richtung sprechen. Ob Kniat diese Richtung weiter vorgibt, soll in den kommenden Tagen intern geklärt werden.
