Eine Demonstration linker und islamistischer Gruppen zum sogenannten Nakba-Tag hat am Samstag in Berlin-Kreuzberg zu Festnahmen, Verletzten und einem kurzen Stopp des Aufzugs geführt. Die Polizei Berlin begleitete den Zug mit rund 1000 Beamten; am Sonntag sprach sie in ihrer Bilanz von rund 2000 Teilnehmenden.
Die Demonstration mit dem Titel „Schluss mit der Besatzung Palästinas – 78 Jahre Al Nakba“ sollte vom Oranienplatz zum Südstern laufen. Bereits gegen 14.30 Uhr hatten sich einige hundert Menschen auf dem Oranienplatz versammelt, gegen 15 Uhr begann die Versammlung mit einer Performance. Der erste Redner pries die „Flamme des Widerstands“, ein weiterer wurde als Mitglied des Palästinensischen Nationalkomitees vorgestellt. Laut Polizei hatten sich zum Start der Demonstration etwa 1000 Personen versammelt.
Zu diesem Zeitpunkt war der Zug schon in einem angespannten Zustand. Zuvor soll es wegen eines Angriffs auf einen Pressevertreter eine erste Festnahme gegeben haben. Gegen 16.30 Uhr kam die Demonstration kurz vor dem Kottbusser Tor zum Stehen. Ein Teil der Teilnehmenden skandierte: „Bullenschweine raus aus der Demo“. Auf Höhe des U-Bahnhofs Schönleinstraße kam es später zu einem Handgemenge zwischen Teilnehmenden und der Polizei, kurz danach stoppte die Polizei den Aufzug gegen 17.30 Uhr.
Bis 18 Uhr gab es laut Polizei auf der Demonstration zehn Festnahmen. Bei einem tätlichen Angriff setzten die Beamten Reizgas ein. Um 18.30 Uhr erreichte die Demonstration den Südstern. In ihrer Bilanz am Sonntag sprach die Polizei von 20 Festnahmen am Rande der Demonstration, die bei der Anmeldung mit rund 1000 Teilnehmern angegeben worden war.
Der Nakba-Tag soll an die Vertreibung hunderttausender Palästinenser im Zuge des ersten arabisch-israelischen Krieges 1948 erinnern. Die Versammlungen waren laut Text immer wieder Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen. Die Gruppe hinter der Demonstration wurde als Palästinensisches Nationalkomitee beschrieben, unter dessen Dach sich laut Berliner Verfassungsschutz auch Anhänger der islamistischen Hamas vereinigen.
Für Berlin bleibt damit ein bekanntes Muster bestehen: Eine Kundgebung mit politischem Anspruch kippt binnen Stunden in offene Konfrontation. Dass die Polizei den Aufzug erst nach dem Handgemenge stoppte und am Ende von mehr als doppelt so vielen Teilnehmenden wie angemeldet sprach, zeigt, wie schnell sich die Lage in Kreuzberg zuspitzte.

