Manuel Neuers Status für die WM ist längst nicht mehr das eigentliche Problem. Der Schaden ist nach dem Auftritt von Julian Nagelsmann bereits angerichtet, und die Irritationen über das Verhalten des Nationaltrainers reißen nicht ab.
Am Samstagabend saß Nagelsmann im «Aktuellen Sportstudio» und lieferte damit laut Beobachtern den nächsten fatalen PR-Fehler. Er ging das heikle Thema mit einer Naivität an, die in der Öffentlichkeit sofort hängen blieb. Für die DFB-Auswahl ist das bitter, weil der Kampf um den WM-Titel durch die jüngste Kommunikation schon spürbar belastet ist.
Wie heikel solche Personalentscheidungen für einen deutschen WM-Plan werden können, zeigte schon der 15. Mai 2006 in Berlin. Damals stellte Jürgen Klinsmann im Olympiastadion den Kader für die Heim-WM vor, und ausgerechnet die Nominierung von David Odonkor blieb im Inneren des DFB weitgehend geheim. Ronald Reng beschreibt das in seinem Buch «Der deutsche Sommer» als Beispiel dafür, wie dicht die Informationskette damals gezogen wurde, obwohl die Medien schon vor 20 Jahren allgegenwärtig waren.
Andreas Köpke sagte ihm zufolge, der Name Odonkor sei in den Videokonferenzen nie gefallen. Selbst wenn intern über ihn gesprochen worden sei, habe niemand den Namen ausgesprochen; stattdessen sei nur allgemein davon die Rede gewesen, man brauche Tempo von der Bank oder «ihr wisst schon, wen ich meine». Die Idee, Odonkors Berufung geheim zu halten, sei so fest verankert gewesen, dass der Name nicht einmal im engsten Kreis ausgesprochen wurde.
Genau daran misst sich nun Nagelsmanns Umgang mit der heutigen Lage. Statt die Debatte um Neuer zu beruhigen, hat er sie mit der falschen Tonlage weiter angefacht. Sebastian Schneider fasste die Reaktion der Fans bereits als «peinliche Neuer-Ausreden» zusammen, ein Satz, der die Verärgerung über die erneute Kommunikationspanne auf den Punkt bringt.
Der Unterschied zwischen damals und heute ist nicht nur nostalgisch. 2006 schützte der DFB eine Kaderentscheidung, die sportlich und medienstrategisch vorbereitet war; heute steht die Mannschaft in einer öffentlichen Schleife aus Rechtfertigung und Zweifel. Wer den Kader für eine WM in eigener Verantwortung formen will, muss nicht nur sportlich überzeugen, sondern auch verhindern, dass die Nachricht selbst zum Störfaktor wird.
Genau hier liegt das Gewicht dieses Fehlers. Der DFB muss nun mit dem leben, was bereits gesagt wurde, nicht nur mit der Frage, ob Neuer rechtzeitig fit ist. Für die WM-Mission ist der größere Verlust schon eingetreten: Vertrauen, Ruhe und Kontrolle über die eigene Botschaft.
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