Raymond van Barneveld wird am Montag und Dienstag bei den Players Championships in Leicester antreten, zieht sich danach aber bis September aus dem regulären Dartsbetrieb zurück. Der 59-Jährige sagte, er werde weiter einige Shows und ausgewählte Turniere spielen, mehrere andere Veranstaltungen aber auslassen.
„Ich spiele noch ein paar Demonstrationen. Die werde ich werfen, aber ansonsten mache ich bis September einen Schritt zurück“, sagte van Barneveld. Er machte deutlich, dass für ihn ein Weitermachen im bisherigen Rhythmus keinen Sinn mehr habe, selbst wenn ihn das die Teilnahme an der Weltmeisterschaft koste.
Der fünfmalige Weltmeister begründete seinen Entschluss mit einer langen Formkrise. Seit Monaten laufe es schlecht, sagte er, die Niederlagenserie ziehe sich durch seine Auftritte. Seine Lage beschrieb er als „een lijdensweg die maar niet stopt“, als einen Leidensweg, der nicht aufhöre. „Die Form ist nicht ein bisschen weg, sondern komplett weg. Es geht mega-, aber wirklich megaschlecht“, sagte er.
Van Barneveld verglich sich mit einem Fußballer, der verletzt sei, zurückkehre und dann nie richtig auf die Beine komme. Bei ihm sei das Problem vor allem mental, sagte er, und gerade das mache die Situation so schwer. In den kommenden Monaten will er nach eigenen Worten versuchen, „het kaarsje weer te doen branden“.
Der gebürtige Niederländer plant zugleich einen privaten Neuanfang in England. Am 26. Mai bekommt er den Schlüssel zu seinem neuen Haus in Milton Keynes, wo er mit seiner englischen Frau Julia leben wird. Das Haus hat fünf Schlafzimmer und drei Badezimmer und ist bereits möbliert und gestrichen.
„Die Leute müssen keine Angst haben, dass ich endgültig weg bin“, sagte van Barneveld. Er werde alle paar Wochen zwischen Den Haag und England pendeln, schloss aber nicht aus, sich in Milton Keynes niederzulassen, falls es ihm dort gefalle. Die Stadt liegt näher an vielen Turnieren in England, sagte er, und die Floor-Turniere in Milton Keynes seien von seinem neuen Zuhause aus nur rund 25 Minuten entfernt.
Auch sportlich arbeitet er bereits an der nächsten Etappe. Van Barneveld wird von Invictus Darts Management betreut und von Steve Mottershead begleitet, dem früheren Manager von Phil Taylor. Mottershead habe ihm gesagt, sein Kopf gehöre auf den Mount Rushmore des Darts, sagte van Barneveld. Er selbst wolle nicht als „Klagemauer“ in Erinnerung bleiben, sondern weiter Turniere gewinnen. Sein Ziel ist es, die Laufbahn noch etwa anderthalb Jahre fortzusetzen.
Der Schritt folgt auf Monate, in denen seine Ergebnisse immer schlechter wurden und ihm wiederholt nahegelegt wurde, aufzuhören. Dass er jetzt ausgerechnet vor dem Rückzug noch in Leicester antritt, passt zu seiner widersprüchlichen Lage: Er will nicht einfach verschwinden, aber er will auch nicht weitermachen, als wäre nichts passiert. Für van Barneveld steht damit nicht nur ein Turnierplan auf dem Spiel, sondern die Frage, ob er seine Karriere mit einem letzten Anlauf noch einmal drehen kann.

