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Beförderungsstopp Bundeswehr: Warum tausende Feldwebel warten müssen

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Die Bundeswehr setzt die Beförderungen für Unteroffiziere ab Juni 2026 aus und stoppt damit vor allem den Aufstieg von mehreren Tausend Feldwebeln zum Stabsfeldwebel. Generalinspekteur machte die Entscheidung öffentlich und sprach von einer notwendigen, aber schmerzhaften Übergangsphase bis zu einem neuen System, das ab 2027 gelten soll.

Breuer begründete den mit Gerichtsurteilen. Danach ist ein Aufstieg allein nach Dienstzeit nicht rechtmäßig, Beurteilungen müssten stärker zählen. Gerade bei der Marine, wo es um mehrere Tausend Feldwebel geht, trifft das eine alte Praxis: In der Vergangenheit wurde Unteroffizieren dieser Schritt grundsätzlich nach 16 Jahren Dienstzeit gewährt.

In einem Instagram-Beitrag schrieb Breuer, die Beförderungen würden sich verschieben. Das sei „nicht schön, und es gefällt auch mir nicht“, sagte er. Zugleich betonte er, man wolle mit neuen Regeln sicherstellen, dass auch künftig Unteroffiziere ihre Laufbahnziele erreichen könnten. „Um kriegstüchtig zu sein, brauchen wir sie“, sagte er mit Blick auf die Betroffenen.

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Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Streitkräfte um Personal ringen und zugleich ihre Laufbahnsysteme anpassen müssen. Die Gerichte hatten einen Widerspruch zum Leistungsgedanken gesehen und eine stärkere Orientierung an Beurteilungen durch Vorgesetzte verlangt. Die Bundeswehr verweist damit auf eine Vorgabe, die sie nach eigener Darstellung nicht mehr ignorieren kann.

Für die Truppe ist das trotzdem ein harter Einschnitt. vom kritisierte die Regelung am Sonntag als „Schlag gegen das ohnehin schon beschädigte Vertrauen“ und als „mit Blick auf das Bestandspersonal inakzeptabel“. Der Verband sieht die Entscheidung besonders für Langgediente als Provokation in einer Truppe, in der der Unmut über die Behandlung erfahrener Soldaten immer wieder hochkocht.

Hinzu kommt die Werbung um neue Soldaten mit Vergünstigungen, die nach Darstellung aus der Truppe die Frustration bei jenen verstärkt, die seit Jahren Dienst tun und nun warten müssen. Die Maßnahme ist deshalb mehr als eine technische Übergangsregel: Sie trifft jene, die auf einen verlässlichen Aufstieg gebaut haben, und sie trifft sie genau in dem Moment, in dem die Bundeswehr neue Kräfte gewinnen will.

Nach Darstellung von Bild weiß Verteidigungsminister um die Brisanz der Entscheidung. In einem internen Papier heißt es demnach, die Situation sei „weder schmerz- noch geräuschlos“ lösbar. Am Ende musste Breuer die unpopuläre Maßnahme selbst verkünden. Der Beförderungsstopp hat nach dieser Lesart das „Potenzial zum Supergau“, weil er das Vertrauen belastet, bevor das neue Aufstiegssystem überhaupt steht.

Entscheidend wird nun sein, ob die Bundeswehr bis 2027 tatsächlich ein Verfahren schafft, das Leistung und Dienstzeit so verbindet, dass die betroffenen Unteroffiziere nicht dauerhaft auf der Strecke bleiben. Genau daran hängt, ob aus dem beförderungsstopp bundeswehr ein kurzer Eingriff oder ein tiefer Riss im Verhältnis zwischen Führung und Truppe wird.

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