Bei massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf Russland sind nach Angaben russischer Behörden mindestens vier Menschen getötet worden, drei davon nahe Moskau. Im Moskauer Gebiet wurden zudem fünf Verletzte gemeldet, während Bürgermeister Sergej Sobjanin in der Hauptstadt von zwölf Verletzten bei einem Angriff auf eine Ölraffinerie sprach. Auf den Flughäfen der Stadt kam es zeitweise zu keinen Starts und Landungen, weil die Drohnengefahr den Verkehr zum Stillstand brachte.
Nach Angaben der indischen Botschaft war eines der Todesopfer nahe Moskau Inder. Gouverneur Andrej Worobjow sagte, zahlreiche Wohnhäuser seien beschädigt worden, und versprach Hilfe für die Betroffenen. „Allen Verletzten wird die notwendige medizinische Hilfe zuteil. Den Familien der Verstorbenen und Verletzten werden wir auf jeden Fall helfen“, sagte er. Nach russischen Angaben seien nahe der Raffinerie Bauarbeiter getroffen worden; das Werk selbst sei technisch intakt geblieben.
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von 586 Drohnen in verschiedenen Regionen. Allein in Moskau sprach Sobjanin von mehr als 120 abgeschossenen Flugobjekten. Die ukrainische Luftwaffe nannte zugleich 287 russische Drohnen. Dutzende Flüge fielen aus, verspäteten sich oder wurden umgeleitet, während Reisende an den Moskauer Flughäfen stundenlang festsaßen. Ein weiteres Todesopfer wurde in Belgorod nahe der Grenze zur Ukraine gemeldet, als nach örtlichen Medien ein Mann in einem Lastwagen saß und eine Drohne sein Fahrzeug traf; eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor.
Wolodymyr Selenskyj nannte die Angriffe auf den Großraum Moskau „völlig gerechtfertigt“. Er sagte, ukrainische weitreichende Drohnen hätten Ziele in 500 Kilometer Entfernung von der Staatsgrenze der Ukraine erreicht, und fügte hinzu: „Die Konzentration der russischen Flugabwehr in der Region Moskau ist am größten. Aber wir überwinden sie.“ Die Hauptstadtregion rühmt sich mit der besten und dichtesten Flugabwehr Russlands, und gerade deshalb gelten die Attacken als besonders heikel. Hauptstadtmedien beschrieben sie als einen der heftigsten ukrainischen Angriffe seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als vier Jahren und zugleich als die größten seit Jahresbeginn.
Selenskyj machte zudem klar, dass Kiew nicht nachlassen will. „Wir sagen den Russen ganz klar: Ihr Staat muss diesen Krieg beenden“, sagte er. Mit dem Satz, die ukrainischen Hersteller von Drohnen und Raketen setzten ihre Arbeit fort, stellte er weitere Angriffe in Aussicht. Für Moskau bedeutet das eine neue Belastungsprobe — militärisch, politisch und für den Alltag in der Stadt, die sich lange als am besten geschützte Region des Landes präsentierte.

