In James Grays Paper Tiger spielt Miles Teller Irwin Pearl, einen bescheidenen, aus Queens stammenden Ingenieur, der in den 1980er-Jahren in New York damit ringt, die College-Kosten seiner zwei Teenagersöhne zu stemmen. Der Film, der bei den Filmfestspielen von Cannes besprochen wurde, stellt ihn neben Adam Driver und Scarlett Johansson in das Zentrum einer Geschichte über Familie, Geld und Loyalität.
Eine Besprechung in lobte die drei Hauptdarsteller für „weighted, intelligent performances“ und hob damit genau das hervor, was den Film trägt: Teller als erschöpfter, pflichtbewusster Mann, Johansson als seine Ehefrau Hester und Driver als Gary, den gutaussehenden, verschmitzten Onkel, der gerade geschieden ist und neue Geschäfte aufzieht. Gary bringt Irwin auf eine Verdienstmöglichkeit mit russischen Geschäftsleuten und der Säuberung des Gowanus-Kanals in Brooklyn — ein Angebot, das mit einer Gebühr von 10.000 Dollar verbunden ist, wenn man eine ehrliche fachliche Einschätzung liefert.
Gray verortet diese Geschichte fest in seinem vertrauten New-York-Kosmos. Die Besprechung beschreibt eine eigene Farbwelt aus gedämpften Ockertönen, Rottönen und Brauntönen sowie Szenen am Familienessen, in der russischen Gemeinde der Stadt und mit den Codes des NYPD. Das macht aus Paper Tiger weniger ein Thriller-Setup als ein Milieustück über Menschen, die in wirtschaftlichem Druck falsche Entscheidungen treffen und trotzdem glauben, sie handeln aus Vernunft.
Gerade darin liegt die Spannung des Films: Gary lockt mit einem Geschäft, das er als Chance verkauft, doch sein Spitzname für die Sache ist „paper tiger“ — viel Drohkulisse, wenig Substanz. Für Irwin, den bodenständigen Ingenieur, ist das kein bloßes Abenteuer, sondern eine Entscheidung, die seine Familie betrifft und seine finanzielle Angst direkt mit dem Versprechen schneller Gewinne verknüpft. Dass Gray die Handlung in die 1980er-Jahre legt und sie mit russischen Geschäftsleuten sowie einem fragwürdigen Kanalprojekt in Brooklyn verknüpft, gibt der Geschichte ein historisches Gewicht, ohne sie aus dem Privaten herauszulösen.
Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, ob Irwin die nächste saubere Rechnung findet. Es ist, dass Paper Tiger seine Dramatik aus einem sehr konkreten Dilemma zieht: Ein Mann, der seine Söhne durch das College bringen will, wird von einem Verwandten in ein Geschäft gezogen, das von Anfang an nach Ärger riecht. Wenn der Film hält, was die Besprechung verspricht, dann nicht wegen einer großen Wendung, sondern weil Teller, Driver und Johansson dieses Zerreißen zwischen Fürsorge und Selbstbetrug mit Gewicht spielen.

