Lesen: Ewald Lienen lädt Norbert Siegmann zu Bremen-Auftritt ein

Ewald Lienen lädt Norbert Siegmann zu Bremen-Auftritt ein

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Vier Jahrzehnte nach dem Foul, das deutsche Fußballbilder geprägt hat, setzt in Bremen auf Versöhnung statt auf die alte Legende. Der frühere Profi hat zu seinem Bühnenprogramm „Fußball und wie das Leben so spielt“ eingeladen, das am Dienstag, 19. Mai, im stattfindet.

Auslöser ist der Zweikampf aus dem Jahr 1981, als Siegmann Lienen in der 19. Minute des Heimspiels von gegen mit den Stollen am Oberschenkel traf. Die Verletzung und Lienens Reaktion auf dem Rasen verfolgten Siegmann jahrelang durch die Berichterstattung. Lienen, heute 72 Jahre alt, sagt, er habe diesen Umgang nie fair gefunden: „Norbert wurde seine ganze Karriere damit konfrontiert, bis heute im Grunde genommen“ und „und das ist unfair“.

Der Auftritt in Bremen ist damit mehr als eine Rückschau auf eine der bekanntesten Szenen der Bundesliga-Geschichte. Lienen nutzt sein Programm, um über die Härte des Spiels, Fairness und Verantwortung zu sprechen. Er sagt, er habe mit seiner Reaktion und seinem Protest damals auch gegen Werder-Trainer zeigen wollen, dass es Grenzen für überhartes Verteidigen gibt. Dass Siegmann dabei zum Symbol eines Fouls wurde, hält er für eine Verkürzung: „Es wurde so getan, als wenn Norbert der schlimmste Abwehrspieler gewesen wäre“.

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Lienen geht in seiner Einordnung noch weiter. „Dabei hat Norbert einfach nur das Pech gehabt, eine sehr spektakuläre Verletzung verursacht zu haben, die aber zum Glück harmlos war“, sagt er. Für den ehemaligen Nationalspieler ist der Vorfall bis heute vor allem ein Beispiel dafür, wie schnell ein einzelner Moment einen Spieler stigmatisieren kann. Die Einladung nach Bremen soll das Bild nun korrigieren, nicht durch Verdrängung, sondern durch öffentliche Einordnung vor Publikum.

Mit auf der Bühne steht an diesem Abend , der seit 1984 ohne Unterbrechung mit Werder verbunden ist. Seine Rolle ordnet den Abend zusätzlich im Bremer Umfeld ein, doch im Zentrum bleibt Lienens Versuch, den alten Fall aus dem Schatten der Schlagzeile zu holen. Der frühere FC-St.-Pauli-Coach, der dort ab 2014 auch als Trainer, später als Sportdirektor und Wertebotschafter arbeitete, ist seit Jahren dafür bekannt, Fußball als gesellschaftlichen Raum zu begreifen und nicht als abgeschottete Zone ohne Folgen.

Das macht auch den Ton seines Bühnenprogramms aus. Lienen spricht im Podcast „DerSechzehner“ mit DAZN-Kommentator und betont immer wieder, dass Nachwuchsförderung und Persönlichkeitsbildung für ihn zusammengehören. „Nachwuchsförderung ist für mich ein ganz wichtiges Thema“, sagt er. „Es geht nicht nur darum, wie ich die Leute perfekt technisch-taktisch ausbilde“, sondern auch um „Charakterbildung“. Und er ergänzt: „Ich versuche eben auch im Fußball über Dinge zu reden, die für alle gesellschaftlichen Bereiche wichtig sind.“

Genau darin liegt der eigentliche Kern dieses Abends in Bremen. Lienen will nicht nur an ein berühmtes Foul erinnern, sondern zeigen, dass ein Spiel nie frei von Verantwortung ist. „Ich habe kein Interesse daran, einer Mannschaft zuzujubeln, nur weil sie ein Spiel gewinnt“, sagt er. Die Einladung an Siegmann macht daraus mehr als eine Geste der Nachsicht: Sie ist der Versuch, einem alten Fußballmythos die Schärfe zu nehmen und ihn wieder als das zu zeigen, was er war — ein harter Moment, aber keiner, der ein ganzes Leben definieren sollte.

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