Russland hat in der Nacht zum Donnerstag mit 675 Drohnen sowie 56 Marschflugkörpern und ballistischen Raketen Ziele in der Ukraine angegriffen, darunter drei Hyperschallraketen vom Typ Kinschal. Im Mittelpunkt des schwersten Angriffs stand Kiew. Mindestens 24 Menschen wurden getötet, 48 weitere verletzt.
Wolodymyr Selenskyj sagte am Donnerstag, er habe die ukrainischen Streitkräfte und die Geheimdienste angewiesen, mögliche Formen für eine Antwort auf diesen russischen Angriff vorzuschlagen. Der ukrainische Präsident sprach von einem Luftangriff, der zu einer neuen Eskalationsrunde im Krieg werden könnte, nachdem Russland bereits am Dienstag mehr als 200 Drohnen eingesetzt und am Mittwoch nach seinen Angaben mindestens 800 Drohnen vor allem gegen die Westukraine gestartet hatte. Bei den Angriffen am Dienstag und Mittwoch kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.
Die Welle in der Nacht zum Donnerstag folgte auf eine kurze Phase, in der die Kämpfe am Himmel deutlich nachgelassen hatten. Russland hatte von 9. bis 11. Mai eine einseitige Waffenruhe für die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges ausgerufen, die Selenskyj weitgehend einhielt. Am Dienstag nahm Moskau die großen Angriffe wieder auf, just in dem Moment, als Donald Trump in Peking mit Xi Jinping zusammen war. Xi gilt in der Darstellung als Putins wichtigster Unterstützer, und Kremlchef Wladimir Putin ist für die Mitte der kommenden Woche zu einem Besuch in Beijing angekündigt.
Putin hatte zuletzt erklärt, der Krieg sei „sich dem Ende zu“, und zugleich den früheren deutschen Kanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler ins Spiel gebracht. Der zeitweilige Rückgang der Großangriffe könnte Russland zugleich erlaubt haben, Drohnen und Raketen für die späteren Angriffswellen zu sammeln. Die neue Serie von Schlägen zeigt, dass die russische Seite nicht auf Deeskalation setzt, sondern den Druck auf die Ukraine weiter erhöht.
Selenskyj stellte die Angriffe am Donnerstag als direkten Prüfstein für die ukrainische Antwort dar. Ob Kiew den Schlag vor allem militärisch, politisch oder mit einer Kombination aus beidem beantworten will, ließ er offen. Klar ist nur, dass Russland mit der Rückkehr zu Massenangriffen den Krieg auf eine gefährlichere Stufe hebt, während die Hoffnungen auf eine Pause in der Gewalt erneut zerbröckeln.

