Am Morgen des 17. Mai 2026 ist eine nicht identifizierte Drohne in den lettischen Luftraum eingedrungen und später wieder herausgeflogen. Die lettischen Streitkräfte ließen daraufhin NATO-Flugzeuge aufsteigen und versetzten mobile Luftverteidigungseinheiten in der Region sofort in Alarmbereitschaft.
Auch die Jagdflugzeuge der NATO-Mission zur Luftraumüberwachung im Baltikum wurden eingesetzt. Das Militär teilte mit, die Einheiten seien in den betroffenen Bereich verlegt und dort in Stellung gegangen. Wer die Drohne entsandt hatte, sagte die Armee nicht.
Die Reaktion kam zu einem Zeitpunkt, an dem Lettland ohnehin in einer schweren politischen Krise steckt. Verteidigungsminister Andris Sprūds trat am 10. Mai zurück. Am 13. Mai erklärten zwei der drei Koalitionsparteien, die Regierung habe ihre Funktionsfähigkeit praktisch verloren. Einen Tag später legte auch Ministerpräsidentin Evika Siliņa ihr Amt nieder, und das Parlament, die Saeima, sollte über ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett beraten.
Siliņa begründete ihren Rücktritt mit deutlichen Worten. Sie sagte: „Я ухожу в отставку, но не сдаюсь и не ухожу.“ Und sie fügte hinzu: „Я и "Новое единство" продолжим выполнять обещания, данные народу Латвии, всем, с кем мы защищали европейские ценности“. Sprūds wiederum sagte, er habe seinen Schritt unternommen, „чтобы защитить латвийскую армию от втягивания в политическую кампанию“.
Der jüngste Drohnenvorfall ist nicht losgelöst von dieser Krise zu verstehen. Er folgt auf die frühere Eskalation, bei der zwei Drohnen in den lettischen Luftraum eingedrungen waren und eine von ihnen auf ein Öldepot in Rēzekne gestürzt war. Nach Angaben des Militärs bleiben „подобные инциденты "остаются возможными"“, solange Russlands Krieg gegen die Ukraine andauert. Genau diese Einschätzung verleiht dem Vorfall vom Sonntag Gewicht: Er betrifft nicht nur die Sicherheit an der Grenze, sondern auch die Frage, wie belastbar Lettlands Abwehrsysteme in einer Phase politischer Unsicherheit sind.
Präsident Edgars Rinkēvičs beauftragte am 16. Mai den Oppositionspolitiker Andris Kulbergs mit der Bildung einer neuen Regierung. Er erwartet bis zum 25. Mai Fortschritte bei den Koalitionsgesprächen. Vor der Parlamentswahl am 3. Oktober 2026 steht Lettland damit unter doppeltem Druck: Das Land muss eine neue Regierung formen und zugleich verhindern, dass weitere Drohnenvorfälle die Debatte über Sicherheit und Führungsfähigkeit weiter verschärfen.

