Das Hieronymus-Kloster in Lissabon zieht weiter Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an, die durch seine Portale strömen und eines der bekanntesten Bauwerke Portugals sehen wollen. Das auch als Mosteiro dos Jeronimos bekannte Kloster liegt in Belém, nur wenige Schritte vom Tejo entfernt, und gehört gemeinsam mit dem nahegelegenen Torre de Belém zum UNESCO-Welterbe.
Die UNESCO hebt an der Stätte die Verbindung von Architektur, Machtgeschichte und der Epoche der Entdeckungen hervor. Das Kloster gilt als Höhepunkt der manuelinischen Architektur und erzählt vom Moment, in dem Portugal seinen Reichtum und seine Macht nach den großen Seefahrtsfahrten sichtbar machen wollte.
In Auftrag gegeben wurde das Mosteiro dos Jeronimos im frühen 16. Jahrhundert unter König Manuel I. von Portugal. Historiker verorten den Beginn der Bauarbeiten grob in die Zeit nach der Rückkehr Vasco da Gamas von seiner ersten Indienfahrt am Ende des 15. Jahrhunderts. Da Gama hatte mit einem Schiff den Seeweg nach Indien erschlossen, und genau diese maritime Wende prägte den Bau des Klosters.
Das Projekt war nicht nur ein Zeichen königlicher Selbstdarstellung. Es sollte zugleich als geistliches Zentrum dienen und wurde teilweise durch Abgaben auf den lukrativen Gewürzhandel finanziert. Die Fertigstellung zog sich über Jahrzehnte hin, was den langen Atem dieses Vorhabens ebenso zeigt wie den Anspruch, den die Krone damit verband.
Den Hieronymiten-Mönchen wurde das Kloster anvertraut. Sie sollten für die Seele des Königs und für die Seele der Seefahrer beten. Damit verknüpfte sich das Gebäude eng mit der portugiesischen Seefahrernation, deren Blick sich von Lissabon aus nach Afrika, Asien und Südamerika richtete.
Heute bleibt das Kloster ein Ort, an dem sich diese Geschichte auf engem Raum bündelt. Wer durch Lissabon reist, trifft hier nicht nur auf ein Denkmal der Religion, sondern auf ein Bauwerk, das den Aufstieg eines ganzen Reiches in Stein festhielt.

