Claus-Dieter Wollitz ist bei Energie Cottbus längst mehr als nur Trainer. Sebastian Lemke nannte ihn das Gesicht dieser Mannschaft und das Gesicht dieses Vereins. Für den 60-Jährigen ist das die passende Beschreibung eines Mannes, der den Club durch Jahre in der Regionalliga Nordost geführt und ihn wieder in die 2. Liga gebracht hat.
Wollitz war der Architekt der zweiten Cottbuser Beförderung in die 2. Liga nach 1997. Damals gelang der erste Aufstieg, jetzt gehört Energie wieder zu den 36 besten Teams in Deutschland. Dass dieser Weg nicht nur über Taktik, sondern auch über Haltung führte, zeigt schon sein Ruf: Nach Spielen und in Pressekonferenzen spricht Wollitz oft mit viel Emotion, und genau das kommt bei vielen Spielern an.
Der Club profitiert dabei von einer Mischung, die im Profifußball selten so offen sichtbar wird. Junge Talente finden in Cottbus eine Bühne, dazu kommen erfahrene Profis, deren Karrieren ins Stocken geraten waren. Tolcay Cigerci passt in dieses Bild besonders gut. Er gab sein Bundesliga-Debüt bei Hamburger SV, verbrachte danach viel Zeit in der Regionalliga und galt unter Wollitz schließlich als bester Spieler der 3. Liga.
Auch bei Timmy Thiele zeigte sich, wie der Trainer auf einzelne Spieler eingeht. In der Vorsaison musste Thiele nicht zu jeder Trainingseinheit nach Cottbus reisen, weil er aus familiären Gründen zu Hause in Berlin war. Solche Lösungen sind im Alltag eines ambitionierten Klubs nicht selbstverständlich. Sie machen aber deutlich, warum Wollitz in Cottbus als jemand gilt, der nicht nur eine Mannschaft formt, sondern auch Menschen erreicht.
Für Energie ist das mehr als ein romantisches Detail. Nach Jahren in der vierten Liga steht der Verein wieder dort, wo er sich selbst verortet: im Wettbewerb mit den besten Klubs des Landes. Die 3 liga tabelle erzählt dabei nur einen Teil der Geschichte. Der andere heißt Wollitz, und in Cottbus ist schwer vorstellbar, dass man seinen Namen von diesem Aufstieg trennen kann.

