24 Stunden vor dem ersten Spiel bei der Weltmeisterschaft hat der Deutsche Eishockey-Bund Dominik Bokk aus dem Kader gestrichen und Lukas Reichel nachnominiert. Deutschland trifft am Freitag um 16:20 Uhr auf Finnland, und die Personalie kam so spät, dass sie den gesamten WM-Start des Teams überlagert.
Harold Kreis begründete den Wechsel damit, dass die Rollen im Kader abgewogen worden seien und man zu dieser Entscheidung gekommen sei. Das sei keine einfache Situation kurz vor dem Turnierstart gewesen, sagte der Bundestrainer. Reichel sei verfügbar, nachdem er in den vergangenen Tagen einen neuen NHL-Vertrag bei den Boston Bruins unterschrieben hatte. Der DEB teilte mit, dass der 23-Jährige nun für die Weltmeisterschaft in der Schweiz bereitstehe.
Kreis sieht in Reichel einen Spieler, der der Mannschaft zusätzliche Qualität geben kann. Seine jüngsten Einsätze bei internationalen Turnieren hätten das verdeutlicht, sagte er. Deshalb sei für das Trainerteam klar gewesen, dass Reichel kurzfristig nominiert werde, sobald die Vertragssituation geklärt sei. Für Deutschland ist das mehr als ein bloßer Tausch auf dem Papier: Die Mannschaft erhält kurz vor dem Auftakt einen Spieler zurück, der bei früheren Einsätzen bereits auf höchstem Niveau eingebunden war.
Für Bokk ist die Entscheidung dennoch ein harter Schlag. Er war erst spät ins Aufgebot gerückt, blieb nun aber trotz seiner Entwicklung ohne Platz im Endkader. Moritz Müller sagte, Bokk habe eine starke Entwicklung genommen und könne Dinge, die in der DEL sonst kaum jemand könne. Er habe eine tolle Technik und die Schnelligkeit, die international gefragt sei, sagte Müller weiter. Zugleich deutete der Kapitän an, dass Bokk vielleicht noch nicht ganz das Standing gehabt habe; das sei am Ende möglicherweise der Ausschlag gewesen.
Gerade in Köln war der 23-Jährige in dieser Saison einer der stabilsten und gefährlichsten Angreifer der Kölner Haie. In den Playoffs war er dort bester Scorer. Dass ein Spieler mit diesem Profil ausgerechnet unmittelbar vor dem ersten WM-Spiel aus dem Kader fällt, zeigt, wie eng die Entscheidungen im deutschen Aufgebot in dieser Phase ausfielen. Parker Tuomie und Daniel Fischbuch bleiben dagegen im DEB-Team für Köln.
Der späte Schnitt macht klar, wie sehr die Nationalmannschaft kurz vor dem Auftakt zwischen Form, Rollenverteilung und Verfügbarkeit einzelner Spieler abwägen musste. Für Kreis war am Ende nicht allein die Vereinsform entscheidend, sondern die Frage, wer in diesem Turnier die passendere Lösung für das deutsche Spiel ist. Genau diese Entscheidung ist nun gefallen — und sie prägt, wer gegen Finnland in die Weltmeisterschaft geht.

