Moritz Seider hat Deutschland vor der Eishockey-WM in der Schweiz grünes Licht gegeben. Der Kapitän des Nationalteams überzeugte im letzten Test gegen die USA trotz der 2:5-Niederlage und soll die Auswahl nach einer schwierigen Vorbereitung mit Verletzungssorgen führen.
Der 25 Jahre alte Verteidiger der Detroit Red Wings war einer von nur drei NHL-Spielern im deutschen Aufgebot und stand vor dem Turnier noch unter Beobachtung. Seine Teilnahme war nach einer harten Saison in Nordamerika lange unsicher, nun kann das Team mit seinem wichtigsten Abwehrspieler planen. Seider sagte, Druck sei immer da, spielte die Frage nach zusätzlicher Belastung aber herunter.
Für die deutschen Eishockey-Spieler kommt die WM in einem Moment, in dem die Erwartungen ohnehin hoch sind. Deutschland hatte 2023 WM-Silber geholt, und Seider erinnert sich noch gut an das Turnier, bei dem die Mannschaft zum Zusammenhalt sogar einen gemeinsamen Eisbad-Moment in einem kalten finnischen See nutzte. Diesmal sieht er keine Notwendigkeit für ähnliche Rituale, weil die Gruppe längst ihren eigenen Rhythmus gefunden hat. «Nein, ich glaube, man muss jedes Jahr etwas Neues entdecken», sagte er sinngemäß über den Versuch, aus jedem Turnier wieder etwas Eigenes zu machen.
Hinzu kommt der sportliche Schwung aus Berlin: Seider und das Team begrüßten nach dem Titelgewinn sechs Berliner Meisterspieler im Kader. Der Kapitän nannte die Berliner absolute Unterschiedsspieler für die Mannschaft. Gerade nach der unsicheren Phase um seine eigene Gesundheit ist das für Deutschland ein wichtiger Baustein, weil die Belastung im Turnier schnell auf mehrere Schultern verteilt werden muss. Auch Lukas Reichel steht dabei im Umfeld des deutschen Aufgebots, das sich für die WM in der Schweiz sortiert.
Seider machte außerdem klar, warum ihn das Turnier in diesem Jahr persönlich besonders anspricht. Für ihn sei es von seiner Heimat aus die bislang kürzeste Entfernung zu einer WM, sagte er. Auch Freunde und Familie fänden eine Weltmeisterschaft in der Schweiz reizvoll. Das erhöht die Aufmerksamkeit, aber es ändert nichts an der Aufgabe auf dem Eis: Deutschland will nach Silber von 2023 wieder konkurrenzfähig auftreten, und Seider bleibt der Spieler, an dem sich das Team zuerst orientiert.
Die entscheidende Frage ist nun, wie viel der Kapitän nach der Verletzungszerrung der vergangenen Wochen tatsächlich tragen kann. Der Test gegen die USA hat ihm die Freigabe gebracht. Die WM beginnt für Deutschland mit einem Führungsspieler, der rechtzeitig zurück ist.
