Borussia Dortmund hat den 19 Jahre alten Innenverteidiger Joane Gadou von Red Bull Salzburg verpflichtet und damit den Umbau seiner Abwehr auf den Weg gebracht. Der Franzose unterschrieb bis 2031 und soll nach Dortmunder Darstellung vom ersten Tag der neuen Saison an eine wichtige Rolle spielen.
Sportchef Lars Ricken machte keinen Hehl daraus, dass der Klub den Verteidiger schon lange beobachtet hatte. Dortmund habe Gadou bereits während seiner Zeit bei Paris Saint-Germain verfolgt, sagte Ricken und fügte hinzu, der Innenverteidiger werde den Verein verstärken und direkt zum Saisonstart Verantwortung übernehmen. Medienberichten zufolge zahlt der BVB eine feste Ablöse von 19,5 Millionen Euro; mit Boni kann das Paket auf fast 30 Millionen Euro steigen.
Der Schritt ist auch ein Signal für einen Generationswechsel in der Dortmunder Defensive. Niklas Süle hat seine Laufbahn beendet, Emre Can fällt wegen eines Kreuzbandrisses aus. Gadou kommt genau in diese Lücke hinein. Dass Dortmund dafür tief in die Tasche greift, passt zu einem Spieler, der in Salzburg in kurzer Zeit vom unbeschriebenen Talent zur festen Größe wurde.
Als Salzburg ihn vor zwei Jahren für 10 Millionen Euro aus Paris holte, hatte Gadou nur drei Berufung in den Profikader und noch keine Profi-Minuten gesammelt. In Österreich entwickelte er sich dann sofort weiter. Er stand in seiner ersten Saison regelmäßig in der Startelf, sammelte Erfahrung in der Champions-League-Qualifikation, absolvierte in dieser Saison sieben von acht Partien der Europa-League-Ligaphase über die volle Distanz und kam insgesamt auf 58 Pflichtspiele. Zum Saisonende landete er bei der Wahl zum Newcomer des Jahres auf Platz vier.
Auch die Einschätzungen aus Salzburg klingen nach mehr als bloßem Potenzial. Ole Book beschrieb Gadou als modernen und physisch starken Innenverteidiger mit gutem Spielaufbau, extremer Geschwindigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten. Trainer Thomas Letsch lobte im Herbst seinen Charakter, seine schnelle Reaktion nach schwächeren Leistungen, seine Reife und seine enorme Kopfballstärke. Dazu passen die Zahlen: Gadou gewann in dieser Saison 49 Prozent seiner Luftduelle und 55 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden.
Für Dortmund ist der Transfer auch deshalb brisant, weil der Klub den Spieler nicht erst seit gestern kennt. In den Jugendwettbewerben traf Gadou immer wieder auf den BVB. Anfang 2023 verlor Paris Saint-Germain mit ihm im Youth-League-Achtelfinale im Elfmeterschießen 5:6 gegen Dortmunds Nachwuchs. In der folgenden Youth-League-Saison kassierte er mit der PSG-U19 zwei Niederlagen gegen denselben Gegner in der Gruppenphase. PSG-Jugenddirektor Yohan Cabaye sagte schon im Februar 2024 voraus, Gadou werde sich ähnlich entwickeln.
Der Verteidiger selbst hatte im vergangenen Jahr wenig Interesse an der Höhe von Transfersummen erkennen lassen. Er achte darauf nicht besonders, sagte Gadou damals und betonte, er spiele einfach Fußball und versuche auf dem Platz sein Bestes zu geben; außerdem blieben solche Dinge normalerweise zwischen den Vereinen. Dortmund setzt nun darauf, dass genau diese Haltung zu einem Innenverteidiger passt, der mit 1,95 Metern Größe, Tempo und Präsenz die nächste Stufe mitbringen soll.
Für den BVB ist der Deal deshalb mehr als ein teurer Einkauf. Er ist ein Wetteinsatz auf einen Spieler, der schon früh gegen den Klub spielte, in Salzburg gereift ist und nun in einer Phase kommt, in der Dortmund hinten neu sortieren muss. Ob sich die Investition schnell auszahlt, wird sich daran zeigen, wie rasch Gadou die Lücke in einer umgebauten Abwehr schließt.

