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Malteser in Würzburg: Katholikentag ringt um Austritte und Vertrauen

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In Würzburg hat der 104. begonnen, und in den Gesprächen geht es nicht nur um Glauben, sondern vor allem um die Frage, wie die mit Ausgetretenen umgeht. Rund 30.000 katholische Christen aus ganz Deutschland treffen sich unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ in einer Zeit, in der die Bindung an die Kirche spürbar brüchig geworden ist.

Der Druck ist messbar. In den vergangenen 20 Jahren hat die katholische Kirche rund ein Fünftel ihrer Mitglieder verloren, allein in den letzten fünf Jahren traten bundesweit 1,5 Millionen Menschen aus. Beim Treffen in Würzburg ist damit nicht nur ein pastorales Problem sichtbar, sondern eine strukturelle Krise, die den Verband der Gläubigen verändert und den Ton des gesamten Katholikentags bestimmt.

Für ist die Lage dennoch nicht nur von Abschied geprägt. Sie sagt, die Sehnsucht nach Spiritualität und Zusammengehörigkeit sei mehrheitsfähig, zugleich schwinde aber das Vertrauen in Institutionen. Genau da setzt der Austausch an, der in Würzburg immer wieder aufscheint: Viele suchen nicht den Bruch mit dem Glauben, sondern eine Kirche, die sie wieder ernst nimmt.

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Wie eng das mit konkreten Lebensgeschichten verbunden ist, zeigt der sogenannte „Trotzdem“-Kreis. Etwa 50 Menschen treffen sich dort einmal im Monat zum Gespräch, offen, ohne vorgegebene Themen. Manche nehmen dafür zwei oder drei Stunden Autofahrt auf sich. Der Kreis wurde von Schwester gemeinsam mit einer Mitschwester im Kloster gegründet und ist inzwischen für manche zu einem Ort geworden, an dem Distanz zur Kirche nicht das letzte Wort hat.

Rath beschreibt die Lage scharf. Viele der Ausgetretenen seien frustriert über mangelnde Reformbereitschaft und geschockt vom Missbrauchsskandal, sagt sie. Zugleich betont sie, dass sie den Glauben nicht verloren hätten, sondern von der Institution und der Hierarchie enttäuscht seien. Der Austritt habe für manche sogar Heimatverlust bedeutet. Inzwischen habe sich in dem Kreis eine kleine Basisgemeinde gebildet, mit der man gut im Gespräch sei.

Der Hintergrund macht deutlich, warum dieser Katholikentag mehr ist als ein Treffen von Engagierten. Die Kirche in Deutschland leidet unter dem Missbrauchsskandal und unter überalterten Pfarreien. Zugleich gehört erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik weniger als die Hälfte der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. In dieser Lage wird jeder Versuch, Ausgetretene wieder anzusprechen, auch zu einer Prüfung für die Institution selbst.

Rath sieht einen Teil des Problems im kirchlichen System. Sie hält es für einen Fehler, Kirchenmitgliedern unter staatlicher Fuchtel Beiträge als Zwangssteuern aufzuerlegen, und sagt, ein säkularer Staat dürfe das nicht. Die Steuerhoheit zugunsten der Kirchen solle abgeschafft werden. Zugleich verweist sie darauf, dass ohne die mit dem Kirchenaustritt verbundene Steuererleichterung viele wohl gar nicht austreten würden. Für Kritikerinnen und Kritiker sei die Mitarbeit innerhalb der Kirche oft wirkungsvoller als der Gang nach draußen.

Der Katholikentag in Würzburg wird damit auch zum Lackmustest für die Frage, ob die Kirche noch eine Sprache findet, die Ausgetretene zurück in Beziehung bringt. Was sich dort zeigt, ist keine stille Abwanderung, sondern eine Kirche, die mit dem Verlust ihrer Mitglieder ringt und zugleich Menschen erlebt, die dem Glauben treu geblieben sind, obwohl sie der Institution den Rücken gekehrt haben.

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