Wolfgang Kubicki ist jetzt der einzige Kandidat für den Vorsitz der FDP. Henning Höne zog seine Bewerbung zurück und stellte sich hinter den 74-Jährigen, wie er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte.
Damit vermeidet die FDP auf ihrem Parteitag in zwei Wochen einen offenen Machtkampf. Höne, der 39-jährige Landeschef der Partei in Nordrhein-Westfalen, soll später erster Stellvertreter in der Führung werden. Die Partei versucht damit, nach Monaten des Absturzes Geschlossenheit zu zeigen, auch wenn der Preis dafür hoch ist: Die Entscheidung für Kubicki legt die Führungsfrage früh fest, bevor die Mitglieder überhaupt zusammenkommen.
Der Schritt hat Gewicht, weil die Liberalen bereits 2025 aus dem Bundestag geflogen sind und auch ihre Sitze in den Landtagen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz verloren haben. Im Herbst drohen weitere Mandatsverluste in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, falls sich die Umfragewerte nicht verbessern. Auch Berlin wählt noch in diesem Jahr, und in der Partei wächst die Hoffnung auf einen Kubicki-Effekt, der bei Wählern in Sachsen-Anhalt und Berlin genug ziehen könnte, um die 5-Prozent-Hürde wieder zu überspringen.
Kubicki setzt dabei auf seinen Namen und auf ein schärferes, direkteres Sprachgefühl, das in der FDP als Gegenmittel zur Krise gilt. Bei einem öffentlichen Kandidaten-Duell in der Berliner Parteizentrale sagte er, die Partei habe verlernt, die Menschen sprachlich dort abzuholen, wo sie sind. Seine Formulierungen könnten in jedem akademischen Seminar bestehen, erreichten die Leute aber nicht mehr, fügte er sinngemäß hinzu. Über politische Themen, so Kubicki, transportierten sich keine Argumente von selbst; sie brauchten immer Träger.
Genau darin liegt auch das Risiko für die Liberalen. Die Partei steckt in einer existenzbedrohenden Krise und will zugleich vermeiden, dass der Versuch, näher an die Wähler zu rücken, in eine Debatte über die eigene Richtung nach rechts kippt. Kubicki selbst hatte Friedrich Merz als „Eierarsch“ bezeichnet und damit gezeigt, wie sehr er auf Zuspitzung setzt. Für die FDP ist das kurzfristig ein Mittel gegen Unsichtbarkeit, langfristig aber auch ein Test, wie viel Schärfe sie sich leisten kann, ohne ihre verbliebene Mitte weiter zu verlieren.
Beim Thema Selbstbestimmung zeigte Kubicki bereits, wo er Grenzen zieht. Eine Abschaffung des Selbstbestimmungsgesetzes lehnte er mit den Worten „Auf keinen Fall“ ab. Stattdessen sprach er sich dafür aus, das Gesetz nur zu ändern, etwa durch Beratung für junge Menschen. Für die FDP ist das die eigentliche Zerreißprobe der kommenden Wochen: ob Kubickis Bekanntheit und seine klare Sprache reichen, um die Partei zurück über die 5-Prozent-Hürde zu bringen, ohne sie politisch weiter zu zerfasern.

