Friedrich Merz hat nach Trumps Rückreise aus China mit Donald Trump telefoniert und das Gespräch als gut bezeichnet. Beide hätten sich nach Angaben des CDU-Chefs auf eine gemeinsame Linie zu Iran verständigt: Teheran müsse an den Verhandlungstisch, die Straße von Hormus öffnen und dürfe keine Nuklearwaffe haben.
Merz schrieb auf X, sie hätten auch über eine Friedenslösung für die Ukraine gesprochen und sich vor dem Nato-Gipfel in Ankara abgestimmt. Die USA und Deutschland seien starke Partner in einer starken Nato, hieß es weiter. Das Telefonat kommt nach Wochen heftiger Spannungen, Drohungen über Truppenabzüge und dem Zollschock, der das Verhältnis zwischen beiden Seiten zuletzt belastet hatte.
Der Anruf hat damit mehr Gewicht als ein höflicher diplomatischer Austausch. Er könnte das Signal sein, dass die Phase der offenen Kälte zwischen Merz und Trump vorerst überbrückt wird. Noch vor wenigen Monaten hatte Trump Merz auf Truth Social scharf angegriffen und geschrieben, der deutsche Politiker wisse nicht, wovon er spreche; außerdem sei es kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht gehe, wirtschaftlich und in anderer Hinsicht.
Die Auseinandersetzung hatte sich schon zuvor zugespitzt. Im April sagte Merz an einer Schule in Nordrhein-Westfalen mit Blick auf Iran: „da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“ Später, beim Katholikentag in Würzburg, erklärte er, er sei ein großer Bewunderer Amerikas, doch seine Bewunderung nehme im Moment nicht zu. Auf die Frage nach dem Verhältnis zu den USA setzte er noch einen Satz, der in Berlin und Washington hängen blieb: Er würde seinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten.
Gerade vor diesem Hintergrund ist das neue Telefonat bedeutsam. Es verbindet drei Themen, die für beide Regierungen derzeit drängend sind: Iran, der Krieg in der Ukraine und die Vorbereitung auf den Gipfel in Ankara. Bei Iran geht es um mehr als Worte; Merz knüpfte die Verständigung ausdrücklich an die Forderung, dass Teheran an den Verhandlungstisch müsse und die Straße von Hormus offen halten solle. Die Linie bleibt hart, aber der Ton hat sich geändert.
Dass Merz und Trump nun direkt miteinander gesprochen haben, passt auch zu den jüngsten Berichten über weitere politische und wirtschaftliche Belastungen auf beiden Seiten. In einem anderen Konfliktfeld zeigt sich bereits, wie angespannt die Lage bleibt: Commerzbank plant laut einer Mitteilung 3.000 Stellenabbau wegen KI, während anderswo Friedrich Merz im Fokus steht, nachdem Fico Transpetrol nach Moskau einberief. Vor diesem Hintergrund wirkt das Gespräch mit Trump wie ein Versuch, an mehreren Fronten wieder handlungsfähig zu werden.
Offen bleibt vor allem, ob aus dem freundlich klingenden Austausch mehr wird als ein kurzer Dämpfer im Streit. Merz hat Trump nach eigenen Worten nicht nur wegen Iran, Ukraine und der Nato gesprochen, sondern auch die politische Beziehung zwischen Berlin und Washington neu justiert. Nach Wochen der Reibung ist das die eigentliche Nachricht: Die Gesprächslinie steht wieder, und beide Seiten haben ein Interesse daran, dass sie nicht gleich wieder reißt.

