Die EU-Kommission erwartet für Deutschland in diesem Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Im Herbst hatte sie noch mit 1,2 Prozent gerechnet. Für die EU insgesamt senkte sie ihre Prognose auf 1,1 Prozent, für die 21 Länder der Eurozone auf 0,9 Prozent.
Damit liegt Deutschland in der neuen Einschätzung unter dem EU-Durchschnitt und auch unter dem Wert für die Eurozone. Die Brüsseler Behörde nennt hohe Energiepreise als eine Folge des Iran-Kriegs als einen Grund für den schwächeren Ausblick. Auch die industrielle Produktion geht zurück, und die Stimmung der Verbraucher verschlechtert sich. Die Korrektur für Deutschland beträgt damit 0,6 Prozentpunkte.
Die neue Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung selbst ihre Erwartung bereits deutlich zurückgenommen hat. Ende April 2026 halbierte sie ihre Prognose und rechnet für das laufende Jahr nur noch mit 0,5 Prozent Wachstum. Fünf große Wirtschaftsforschungsinstitute liegen mit ihrer Erwartung von 0,6 Prozent inzwischen genau auf der Linie der EU-Kommission.
Der europäische Vergleich zeigt, wie weit Deutschland im Moment zurückfällt. Für Irland erwartet die Kommission ein Minus von 1,2 Prozent und damit das schwächste Ergebnis in der EU. Am anderen Ende der Skala steht Malta mit 3,7 Prozent Wachstum, gefolgt von Polen mit 3,5 Prozent. Deutschland bewegt sich damit nicht im Mittelfeld, sondern deutlich unter den stärkeren Volkswirtschaften der Union.
Für die Bundesregierung ist die Prognose ein weiterer Hinweis darauf, dass die lange Schwächephase der deutschen Wirtschaft nicht schnell endet. Dass Brüssel und die Forschungsinstitute nun nahezu denselben Wert nennen, spricht für eine nüchterne Lageeinschätzung: Die Erholung bleibt schwach, solange Energiepreise, Industrie und Konsum nicht wieder drehen. Wer in Deutschland auf einen kräftigen Aufschwung gehofft hat, findet in dieser Prognose keinen Anlass dazu.

