Die Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz hat einer Renten-Reform zugestimmt, die die private Altersvorsorge neu ordnen soll. Die neue staatlich geförderte Vorsorge soll die Riester-Rente ablösen und künftig über Altersvorsorgedepots laufen, die höhere Renditen am Kapitalmarkt erzielen sollen.
Geplant sind mehrere Varianten: eine Sicherheitslösung mit 100 Prozent garantierter Auszahlung der eingezahlten Beiträge, eine weitere mit 80-prozentiger Garantie, ein Depot ohne Garantien für risikofreudige Sparer und ein Standarddepot eines öffentlichen Trägers. Damit rückt die Reform weg vom alten Muster, bei dem Sicherheit oft vor Ertrag kam, und hin zu einem Modell, das je nach Risikoneigung mehr Spielraum lässt.
Für Alexander Siegmund ist das ein Bruch mit der Logik der Riester-Rente, die 2002 eingeführt wurde und aus seiner Sicht gescheitert ist. Er sagte, in jeder Kundenberatung sei Misstrauen spürbar gewesen. Der Garantiezwang habe im Niedrigzinsumfeld die Renditechancen abgewürgt, Vertriebskosten hätten das eingezahlte Vorsorgevermögen angefressen, bevor es Zinsen tragen konnte, und das Zulagensystem sei so verwinkelt gewesen, dass viele Versicherte ihre Förderung nicht voll abgerufen hätten.
Das neue Altersvorsorgedepot soll nach Siegmunds Darstellung diese Schwächen vermeiden. Er sagte, es lasse die Wahl zwischen Beitragsgarantie und reiner Renditechance. Das Kapital könne am Ende als lebenslange Leibrente oder als Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr bezogen werden, Restkapital könne an die Erben weitergegeben werden. Zudem sei die Anlage online sichtbar und in Echtzeit nachvollziehbar, und die Förderung werde für Selbstständige geöffnet, die in der alten Riester-Welt weitgehend ausgeschlossen waren.
Neu ist nach Siegmunds Angaben auch eine harte Kostengrenze: Die staatlich geförderten Altersvorsorgedepots hätten erstmals eine Obergrenze von 1 Prozent pro Jahr. Er nannte das neue Modell ein staatlich kuratiertes Sparmodell mit klaren Regeln. Genau daran wird sich die Reform messen lassen müssen, denn das deutsche Rentensystem steht unter Anpassungsdruck, weil immer mehr Rentnerinnen und Rentner immer weniger Einzahlern in der Rentenkasse gegenüberstehen.
Die Altersvorsorge in Deutschland ruht auf drei Säulen: der staatlichen Regelsicherung, der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Vorsorge. Mit den neuen Altersvorsorgedepots setzt die Regierung jetzt vor allem auf den dritten Pfeiler. Ob daraus ein breiter Neustart wird, entscheidet sich nicht am Kabinettsbeschluss, sondern daran, ob Sparer dem neuen Angebot tatsächlich mehr Vertrauen schenken als der Riester-Rente, die sie ablösen soll.

