Am Mondsee sind nach einer pauschalen Kündigungswelle vom vergangenen Sommer viele Betroffene bis heute ohne Lösung. Anna Mathyl hatte damals alle Miet- und Pachtverträge für Stege, Bootshütten und Badeplätze gekündigt. Fast ein Jahr später ist für viele Pächter:innen und Gastronomiebetriebe am See weiter unklar, ob sie ihre Anlagen in wenigen Wochen überhaupt öffnen dürfen.
Bürgermeister Andreas Hammerl sagte, Mathyl arbeite „mit Hochdruck daran, dass die Pachtverträge erledigt werden“. Er zeigte sich „absolut guter Dinge“ und meinte, „es gibt wahrscheinlich nur wenige Menschen, die so viele Nachbarn haben“. Für den öffentlichen Badeplatz in Plomberg wurde inzwischen eine Lösung gefunden, sodass der dortige Steg und das Badefloß wie gewohnt bestehen bleiben. Der Badeplatz Schwarzindien war von den Kündigungen nicht betroffen, weil die Liegewiese und der Seebereich davor seit einigen Jahrzehnten der Gemeinde St. Lorenz gehören.
Dass die Lage am Mondsee so heikel ist, liegt auch an der Eigentumssituation. Der See ist rund 14,2 Quadratkilometer groß und befindet sich zum größten Teil im oberösterreichischen Hausruckviertel in Privatbesitz. Nur drei andere große Seen in Österreich gehören Privatpersonen oder Familien: der Neusiedlersee, der Faaker See und der Keutschacher See. Der Mondsee wurde 1810 von Napoleon an einen bayerischen Grafen verschenkt. Anna Mathyl übernahm den Besitz 2024 von ihrer Mutter. Ein Verkauf an die Republik, vertreten durch die Bundesforste, wurde 2008 verhandelt, scheiterte aber an den Preisvorstellungen.
Die Unsicherheit trifft vor allem jene, die den See touristisch nutzen. Bürgermeister Hans-Peter Pachler berichtete von großen Sorgen bei privaten Pächter:innen und besonders bei den Gastronomiebetrieben am Ufer. „Ich weiß von betroffenen Gastronomiebetrieben, für die es nach wie vor keine Lösung gibt“, sagte er. Nach seinen Angaben sind die alten Pachtverträge gekündigt, neue aber noch nicht geschlossen. „Aber dann wird es oft doch wieder nichts“, sagte Pachler mit Blick auf die wiederkehrenden Gespräche und offenen Zusagen. Für viele bleibt damit ausgerechnet vor Beginn der Saison offen, ob ihre Stege, Hütten und Lokale rechtzeitig starten können.
Der Fall zeigt, wie verletzlich ein See wird, wenn Nutzung und Besitz so eng an einer privaten Eigentümerstruktur hängen. Plomberg ist vorerst abgesichert, Schwarzindien war nie betroffen. Doch für einen Großteil der übrigen Pächter am Mondsee ist die entscheidende Frage weiter dieselbe: Sie wissen nicht, ob aus den Gesprächen noch rechtzeitig Verträge werden.
