Über der Ostsee werden Passagierflugzeuge seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine immer wieder von Störsendern getroffen. Piloten in der Region melden mitunter täglich Manipulationen ihres Navigationssystems. Für die Crews bedeutet das entweder einen kurzen Ausfall des GPS oder Warnungen, die sich am Ende als Fehlalarm herausstellen.
Oliver Quiter, der für die dänische Airline DAT Regionaljets zur Ostseeinsel Bornholm fliegt, hat auf dieser Strecke nach eigenen Angaben bereits vier Mal Störungen bei der Navigation per Satellit erlebt. Je näher man Russland oder der russischen Enklave Kaliningrad komme, desto häufiger trete das Problem auf, sagte Quiter. Kollegen, die regelmäßig in Richtung Finnland und ins Baltikum fliegen, hätten das Problem nach seinen Worten sogar täglich. Oliver Quiter sagte, sie hätten es „dass sie es täglich haben“.
Die Bundesregierung, die Deutsche Marine und Experten gehen davon aus, dass russische Störsender hinter den Angriffen stehen. Betroffen ist nicht nur die Luftfahrt. Auch der Seeverkehr in der Ostsee gerät unter Druck, die Region gilt in diesem Zusammenhang als vom Krieg mitbetroffen.
Für Niklas Ahrens von der Pilotenvereinigung Cockpit ist dabei wichtig, zwischen Jamming und Spoofing zu unterscheiden. Beim Jamming fällt das GPS-System an Bord kurzfristig aus, und die Piloten müssen auf andere Navigationsmethoden ausweichen. Beim Spoofing wird das Signal nicht gestoppt, sondern gezielt verändert, um Flugzeuge zu täuschen. Ahrens warnte, dass verfälschte Positionsdaten eine Vielzahl von Fehlwarnungen auslösen können. „Wenn so die GPS-Position verfälscht wird, kann es zu einer großen Zahl an Fehlwarnungen kommen“, sagte er. Um falsche Alarme zu unterbinden, sei es üblich, wichtige Sicherheitssysteme im Cockpit abzuschalten. „Damit nehmen wir uns aber auch das Sicherheitsnetz“, sagte Ahrens.
Ramsey Faragher vom Royal Institute of Navigation in London vermutet hinter den Störungen russische Streitkräfte. Es gehe dabei vor allem darum, Gegnern mögliche Angriffe mit Drohnen zu erschweren. Faragher sagte, die Störungen reichten oft über Hunderte von Kilometern und damit weit über das eigentliche Konfliktgebiet hinaus. Auch aus der russischen Enklave Kaliningrad sollen solche Angriffe offenbar ausgehen. Die ARD-Story „Unsichtbarer Angriff“ untersucht die Folgen der Attacken und sucht nach den genauen Quellen. Als Hintergrund werden zudem russische Ölexporte über Häfen genannt, die von der Ukraine mit Drohnen angegriffen werden.
