SGS Essen muss nach 22 Jahren in der Frauen-Bundesliga den Weg in die 2. Liga antreten. Der Klub ist damit der letzte klassische Frauenverein, der die höchste deutsche Spielklasse verlässt, während die kommende Saison nur noch Teams umfassen wird, die zu einem Männer-Lizenzverein gehören.
Der Abschied trifft Essen in einem Moment, in dem die Liga selbst ihr Gesicht verändert. Künftig stehen 13 Bundesliga-Klubs und der Zweitligist 1. FC Nürnberg im Feld. Schon in der vergangenen Saison waren 1. FFC Turbine Potsdam und die Frauen von FC Carl Zeiss Jena abgestiegen. Jena wurde dabei trotz des Männer-Profiteams im Verein zurückgestuft.
Heike Ullrich, die frühere DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball, sagte, sie sei „immer Fan der Tatsache“ gewesen, dass die Liga ein gemischtes Teilnehmerinnenfeld gehabt habe. Sie hätte sich gewünscht, dass auch reine Frauen-Fußballvereine diese Ebene dauerhaft halten können. Zugleich sprach sie von „unheimliche Hochachtung dafür, was Essen gestemmt hat als Ausbildungsverein“ und ordnete die Entwicklung als Marktbewegung ein, die man habe kommen sehen können.
Für Essen ist der Abstieg nicht nur ein sportlicher Bruch, sondern auch das Ende eines Modells, das über Jahre gegen größere finanzielle Strukturen ankam. Kathrin Längert sagte, es lasse sich nicht leugnen, dass bei SGS Essen sportlich und strategisch Fehlentscheidungen getroffen worden seien. Zugleich verwies sie darauf, dass fast 30 Jahre lang kaum relevante Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen gezahlt worden seien. In einer Liga, die vom DFB organisiert worden sei und laut Längert wie der „Wilde Westen“ funktioniert habe, habe kein Verein allein mit guter Arbeit und Ausbildung dauerhaft überleben können.
Die Debatte über die künftige Ordnung des Frauenfußballs wurde schon im Februar verschärft, als der neu gegründete Frauen-Bundesliga FBL e.V. entschied, keine gemeinsame Gesellschaft mit dem DFB zu bilden. Der Verband hatte zuvor 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. FBL-Präsidentin Katharina Kiel sprach zuletzt dagegen von 700 bis 800 Millionen Euro Investitionen der Vereine in die Liga über die nächsten acht Jahre. Zwischen diesen Zahlen liegt die eigentliche Spannung des Umbaus: Die Liga wird größer gedacht, aber für Klubs wie Essen kommt diese Zukunft zu spät.
