Helsing und OHB haben am Dienstag ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das eine weltraumbasierte Überwachungs- und Aufklärungslösung sowie ein KI-basiertes Zielerfassungssystem entwickeln soll. Das Konsortium arbeitet nach eigenen Angaben an einer radikalen Verkürzung der Reaktionszeit.
Für OHB ist der Schritt mehr als ein weiteres Projekt in der Raumfahrt. Das Unternehmen verantwortet die Implementierung und den Betrieb von End-to-End-Raumfahrtsystemen für Erdbeobachtung, Kommunikation, Navigation und Aufklärung und bringt weltraumtaugliche Sensorik für allwetterfähige Überwachung und hochpräzise Erdbeobachtung ein. Gundbert Scherf begründete die Zusammenarbeit mit den Worten: „Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie wichtig weltraumbasierte Zielerfassung ist. Er zeigt auch, dass wir keine Zeit zu verlieren haben.“
Die Kooperation passt in einen Markt, in dem Verteidigung und Künstliche Intelligenz im Weltraumgeschäft enger zusammenrücken. Marco Fuchs sagte dazu: „Raumfahrtsysteme sind essenziell, um aus der Bundeswehr die stärkste und modernste Armee Europas zu machen. (…) Moderne Raumfahrtsysteme, implementiert mit Künstlicher Intelligenz, sind ein wesentlicher Baustein dafür.“ Dass die Ohb Aktie in diesem Umfeld erneut Aufmerksamkeit bekommt, hat auch mit ihrer ungewöhnlichen Marktgeschichte zu tun: Das Papier wurde 2018 wegen der Raumfahrt-Romantik zum Kauf empfohlen und liegt seitdem mehr als 1.000 Prozent im Plus.
Gleichzeitig bleibt die Aktie ein Sonderfall. Der Free Float beläuft sich nur noch auf rund fünf Prozent, für 2024 wurde bereits ein Delisting angedacht. Damit steht der Kurs nicht nur für operative Fantasie, sondern auch für ein knappes Aktienangebot, das Bewegungen verstärken kann. Für Anleger ist das ein doppeltes Signal: Die operative Story wird größer, der Handelsspielraum aber enger.
Auch das industrielle Umfeld bleibt anspruchsvoll. Fuchs sagte mit Blick auf SpaceX: „Beides. Wir buchen Raketenstarts bei SpaceX, wenn unsere Kunden dies wünschen. Andererseits ist das Unternehmen ein harter Konkurrent für das europäische Raketenprogramm Ariane, an dem wir beteiligt sind.“ Das zeigt, wie hart der Wettbewerb im All inzwischen geworden ist, selbst dort, wo Partner zugleich Rivalen sind.
Hinzu kommt das ESA-Projekt Plato, das 2027 starten soll, um Exoplaneten in der Umlaufbahn anderer Sonnensysteme aufzuspüren. Herz der Mission ist ein Satellit der Bremer OHB. Die neue Sicherheitskooperation, das Plato-Programm und der enge Schulterschluss mit Verteidigungsanwendungen zeichnen ein Unternehmen, das sich längst nicht mehr nur über klassische Raumfahrt definiert. Für die Ohb Aktie heißt das: mehr strategische Relevanz, mehr geopolitische Nähe und eine Bewertung, die weiter von dem lebt, was aus Bremen noch kommen kann.

