Apple wird ab Herbst keine Knopfzellen mehr von Varta kaufen. Für die Produktion in Nördlingen bedeutet das den Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlage, rund 350 Jobs haben dort nach Unternehmensangaben keine Zukunft mehr.
Betroffen ist eine Fertigung, die Varta seit Jahren fast ausschließlich für die kabellosen Ohrhörer von Apple aufgebaut hatte. Der Konzern produziert die Coin-Power-Zellen in Nördlingen, rund 40 Kilometer von der Zentrale in Ellwangen entfernt, und einige Stellen am Hauptsitz sollen nun ebenfalls wegfallen. Varta wolle die nächsten Schritte in engem Austausch mit dem Betriebsrat vorbereiten, sagte Vorstandschef Michael Ostermann.
Ostermann sprach von „sehr einschneidenden Konsequenzen“ für den Standort Nördlingen. „Leidtragende sind allen voran unsere Mitarbeitenden vor Ort, die diese Entwicklung nicht zu vertreten haben“, sagte er. „Daher ist es uns umso wichtiger, die nächsten Schritte gemeinsam, fair und verantwortungsvoll zu gestalten.“
Der Einschnitt trifft einen Standort, dessen Zukunft seit längerem an Apple hing. Der US-Konzern hatte Varta zuvor gedrängt, die Kapazitäten in Nördlingen deutlich auszubauen. Als die Nachfrage zurückging und Apple seine Lieferkette auf mehrere Anbieter umstellte, fiel die Auslastung der neu finanzierten Anlagen ab Herbst 2022 auf deutlich unter 50 Prozent. Nach der Stabilisierung des Unternehmens unter dem StaRUG-Rahmen blieb Varta zwar weiter ein Lieferant von Apple, doch die Abhängigkeit vom Großkunden blieb bestehen. Erst im Mai 2025 startete die Produktion für die nächste Batteriegeneration der Apple-AirPods.
Für Varta ist der Schritt mehr als ein Auftragsverlust. Er beendet für Nördlingen ein Geschäftsmodell, das auf einer einzigen Kundenbeziehung beruhte und wirtschaftlich nur unter Apples Bedarf funktionieren konnte. Das Unternehmen sagt zugleich, andere Bereiche in Ellwangen seien weitgehend nicht betroffen; vor allem das Geschäft mit Verbraucherbatterien und Batteriespeichern laufe zufriedenstellend. Ostermann, der im Mai 2024 die Verantwortung bei Varta übernahm, verweist dennoch auf technisches Know-how im Konzern: „Wir haben das Know-how, im Augenblick konzentrieren wir uns auf die kleinen Zellen. Aber wir sind mit Abstand der größte Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen in Deutschland“, sagte er. „Am Ende ist alles nur eine Frage der Skalierung, denkbar sind auch Zellen für Energiespeicher in größeren Formaten.“
Der nächste Schritt liegt nun bei der Frage, wie viel von der Produktion und wie viele der betroffenen Stellen sich an anderen Stellen des Unternehmens noch auffangen lassen. In Nördlingen aber ist die Rechnung schon jetzt klar: Wenn Apple aussteigt, fällt für die Spezialfertigung die Grundlage weg.

