Sepp Maier traut Manuel Neuer zu, beim FC Bayern München noch mindestens eine weitere Saison dranzuhängen. Der frühere Bayern-Torwart sagte, der 40-Jährige habe seinen Vertrag bis Ende Juni 2027 verlängert, werde aber wohl nicht noch ein Jahr anhängen, falls seine körperlichen Probleme zu groß würden.
Maier verwies darauf, dass Neuer in den Partien gegen Real Madrid und Paris Saint-Germain gezeigt habe, dass er weiter Weltklasse sei – abgesehen von einem Fehler im Rückspiel gegen Real. Für Jonas Urbig ist das Urteil des früheren Welttorhüters ebenso klar. Der 22-Jährige und Neuer verstünden sich sehr gut, sagte Maier, und der jüngere Keeper könne davon profitieren, noch ein Jahr mit dem alten Platzhirsch zu arbeiten.
Dass Urbig inzwischen mehr ist als ein bloßer Ausbildungsfall, zeigte sich am vergangenen Samstag in Wolfsburg. Beim 1:0-Sieg des FC Bayern hielt er den Vorsprung mit einer wichtigen Parade fest. Es war einer von 18 Pflichtspieleinsätzen in dieser Saison. In der Bundesliga stand der 22-Jährige 13-mal auf dem Platz, dazu dreimal in der Champions League und zweimal im DFB-Pokal.
Die Einordnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Lage in München neu sortiert hat. Bayern hat die Meisterschaft bereits gewonnen, steht im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart und hat das Halbfinale der Champions League erreicht. Zugleich ist Neurers Verlängerung ein Signal für Kontinuität auf der Position, während Urbig als möglicher Nachfolger aufgebaut wird und in der zweiten Saisonhälfte vor allem in der Liga mehr Einsätze erhielt.
Maier hält diesen Weg für richtig. Er könne sich gut vorstellen, dass Neuer Verantwortung spüre und bleibe, bis Urbig sich wirklich festgespielt und seine Entwicklung zur Nummer eins abgeschlossen habe, sagte er. Gleichzeitig machte Maier deutlich, dass der 22-Jährige die nötigen Voraussetzungen mitbringe, um sich in München durchzusetzen. Seine Form in Wolfsburg und die regelmäßigen Einsätze sprechen dafür, dass Urbig im Bayern-Gehäuse längst näher an die Zukunft herangerückt ist.
Der nächste Prüfstein ist damit weniger die Frage, ob Urbig Chancen bekommt, sondern wie schnell Bayern den Übergang zwischen der Gegenwart mit Neuer und der geplanten nächsten Generation ordnet. Mit einem Torwart, der auf höchstem Niveau noch immer den Unterschied machen kann, und einem 22-Jährigen, der schon belastbare Minuten gesammelt hat, ist die Staffelübergabe in München keine abstrakte Idee mehr, sondern eine Entscheidung mit unmittelbarer Wirkung auf die kommende Saison.

