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Commerzbank Unicredit: Orlopp stellt Preis und Geschäftsmodell infrage

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-Chefin hat den Übernahmekurs von Unicredit erneut scharf zurückgewiesen und weitere Gespräche an klare Bedingungen geknüpft. Nur wenn Unicredit bereit sei, über den Angebotspreis und das Geschäftsmodell nachzudenken, mache es aus Sicht der Bank Sinn, die Gespräche fortzusetzen, sagte Orlopp.

Die Lage ist damit nach Monaten des Widerstands noch einmal ungemütlicher geworden. Unicredit-Chef hat die langfristige Tragfähigkeit der Commerzbank öffentlich infrage gestellt, während die italienische Bank zugleich mit Anzeigen um die Frankfurter Bank wirbt. Orlopp sagte, als die Anzeigen erschienen, habe man zunächst gedacht: „Wir dachten erst, das ist fake“. Inzwischen ist der Streit zu einem offenen Machtkampf um die Zukunft eines der traditionsreichsten deutschen Geldhäuser geworden.

Orlopp begründete die harte Linie mit der Sicht der Bank auf ihr eigenes Geschäft. Die Commerzbank habe 2025 das beste operative Ergebnis in ihrer Geschichte erzielt und sei auch gut ins neue Jahr gestartet, sagte sie. Zugleich machte sie deutlich, dass das Institut unter anderem Mittelständler bei der Expansion ins Ausland begleiten will. Das Übernahmeangebot von Unicredit sei aus ihrer Sicht „de facto eine Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell“ und enthalte wenig Informationen zu einer möglichen Kombination.

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Besonders deutlich wurde Orlopp bei der Frage nach den Folgen für die Beschäftigten. Im Unicredit-Szenario gehe es ihrer Schätzung nach eher um 10.000 bis 11.000 Stellen bis 2030. Das steht im Kontrast zu dem, was Commerzbank und vergangene Woche vereinbart haben: eine über 3.000 Brutto-Stellenstreichungen. Die Bank hatte zuvor den Abbau von 3.900 Jobs für 2025 angekündigt. Orlopp sagte dazu: „Die Transformationsvereinbarung, die wir vergangene Woche gemeinsam mit dem Betriebsrat beschlossen haben, sieht 3.000 Stellen brutto vor.“

Der Umbau wird zudem durch die Entwicklung bei der künstlichen Intelligenz beschleunigt. Commerzbank sagt, KI komme in diesem Jahr schneller und mit mehr Wucht als noch im Februar 2025 erwartet. Damals hatte die Bank ihre aktualisierte Strategie noch bis zum Sommer fertigstellen und im September vorstellen wollen. Jetzt verschiebt der Druck von außen und innen die Zeitachse spürbar nach vorn.

Für Orlopp ist das kein Nebenpunkt, sondern Teil derselben Rechnung. Die Bank sei mit den ersten Monaten des Jahres bereits zufrieden gewesen, doch die neue Dynamik durch KI und die Ereignisse von Mitte März hätten die Lage verändert. Mitte März hatte sich die Übernahmesituation mit Unicredit verschärft, nachdem das Angebot auf dem Tisch lag. Seitdem geht es nicht mehr nur um Eigentum, sondern um die Frage, ob Commerzbank als eigenständiges Institut mit mehr als 150 Jahren Geschichte ihren Kurs selbst bestimmen kann.

Dass die Gespräche stocken, ist auch Ausdruck eines grundsätzlichen Konflikts über den Wert der Bank. Commerzbank will nicht nur über den Preis reden, sondern über die Struktur eines möglichen Zusammenschlusses. Unicredit wiederum drängt seit Monaten auf eine Lösung, die der Markt bislang nicht gebracht hat. Mit Orlopps Worten ist die Botschaft jetzt unmissverständlich: Ohne Bewegung bei Angebot und Modell bleibt die Tür zu.

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