Commerzbank will rund 3.000 Stellen streichen und verknüpft den geplanten Abbau mit dem schnellen Vormarsch künstlicher Intelligenz. Vorstandschefin Bettina Orlopp sagte, ein großer Teil der erwarteten Einsparungen hänge mit der Nutzung von KI zusammen, die inzwischen viele Aufgaben übernehmen könne und sich schneller entwickelt habe als erwartet.
Orlopp sprach in diesem Zusammenhang von einer Technologie, die in mehreren Bereichen „sehr kraftvoll“ sei. Die Bank wolle aber möglichst wenige der eigenen Beschäftigten treffen und stattdessen Stellen bei externen Dienstleistern abbauen, darunter externe Callcenter und zusätzliche IT-Kapazitäten. Operative Kündigungen wolle Commerzbank vermeiden. „So wie unsere Demografie in der Bank ist, werden wir diesen Prozess maximal sozialverträglich gestalten“, sagte Orlopp. „Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Destabilisierung unserer Organisation.“
Der Umbau kommt in einer Phase, in der Commerzbank sich gegen einen Übernahmeversuch von UniCredit wehrt. Der italienische Konkurrent kontrolliert bereits knapp 30 Prozent der Anteile und hatte Anfang Mai ein Angebot für alle Commerzbank-Aktien vorgelegt. Vorgesehen sind 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Das Angebot kann bis zum 3. Juli verlängert werden. Commerzbank will Anfang nächster Woche eine begründete Stellungnahme zu dem Vorstoß veröffentlichen.
Die Auseinandersetzung hat damit eine operative und eine strategische Ebene. Commerzbank versucht mit Stellenabbau sowie ehrgeizigen Gewinn- und Renditezielen bis 2030, Aktionäre davon abzuhalten, ihre Papiere an UniCredit zu verkaufen. Die Gruppe ist in Deutschland bereits über HypoVereinsbank aktiv und sieht nach eigenen Angaben Milliarden an Einsparungen. Zugleich hält der Bund rund 12 Prozent an Commerzbank und unterstützt das Institut im Streit. UniCredit wurde zudem von der Aufsicht Bafin wegen einer Social-Media-Kampagne gegen Commerzbank gerügt.
Für Orlopp geht es damit nicht nur um Kostensenkung, sondern auch um die Frage, ob die Bank den Umbau unter dem Druck eines aktiven Übernahmeversuchs stabil halten kann. „Wir achten darauf, dass wir die Organisation stabil halten, trotz dieser unangemessenen Angriffe“, sagte sie. Ob der Konzern seine Pläne ohne größere Verwerfungen durchsetzen kann, dürfte sich schon in den kommenden Tagen zeigen, wenn Commerzbank ihre Stellungnahme zu UniCredits Angebot vorlegt.
