Hunderte Menschen sind in Havanna gegen die schwersten Stromausfälle seit Jahrzehnten auf die Straße gegangen. In mehreren Außenbezirken entzündeten Anwohner Müll, blockierten Wege und schlugen auf Töpfe, um die Wiederherstellung der Stromversorgung zu verlangen.
Es waren nach Angaben aus der Stadt die größten Proteste in Havanna seit Beginn der massiven Energiekrise vor etwa vier Monaten. Die Versammlungen blieben überwiegend friedlich, doch sie zeigten, wie tief der Frust über eine Versorgungslage sitzt, die den Alltag auf der Insel immer stärker bestimmt.
Der Druck auf das Netz ist seit Anfang des Jahres gewachsen, nachdem die USA Öllieferungen an Kuba blockiert und die Sanktionen im Januar verschärft hatten. Damit ist der Inselstaat von Treibstofflieferungen aus dem Ausland weitgehend abgeschnitten. Kubas Energieminister Vicente de la O sagte, das Stromnetz sei in einem „kritischen Zustand“. Nach Angaben der Regierung sind Diesel und Heizöl vollständig ausgegangen.
De la O sagte zudem: „Wir haben keine Reserven mehr“. Nach seinen Angaben bleiben viele Stadtteile Havannas täglich 20 bis 22 Stunden ohne Strom. Weder Mexiko noch Venezuela haben seit einer Anordnung von US-Präsident Donald Trump Treibstoff auf die Insel gebracht. Seit Dezember hat nur ein großer Öltanker, die unter russischer Flagge fahrende „Anatoli Kolodkin“, Rohöl nach Kuba geliefert.
Die Vereinten Nationen bezeichneten die US-Treibstoffblockade in der vergangenen Woche als unrechtmäßig. Zugleich versucht Kuba, das Netz mit heimischem Rohöl, Erdgas und erneuerbaren Energien am Laufen zu halten. In den vergangenen zwei Jahren wurden Solaranlagen mit einer Leistung von 1.300 Megawatt installiert, doch ein großer Teil dieser Kapazität kann wegen der Instabilität des Netzes infolge des Treibstoffmangels nicht genutzt werden.
Hinzu kommen weltweit höhere Öl- und Transportpreise infolge des Iran-Kriegs, die Importe zusätzlich erschweren. De la O sagte, Kuba sei offen für jeden, der dem Land Treibstoff verkaufen wolle. Doch solange die Lieferungen stocken und das Netz so instabil bleibt, wird sich an den nächtlichen Protesten und den langen Dunkelstunden in Havanna kaum etwas ändern.

