Siegfried Meryn gibt sein Mandat im ORF-Stiftungsrat nach der laufenden Sitzung ab. An diesem 11. Juni 2026 soll er noch einmal mit abstimmen, bevor sein Sitz endet — ausgerechnet in jener Sitzung, in der der nächste ORF-Generaldirektor gewählt wird.
Für Meryn ist das ein Schritt nach monatelangem Streit, der in den vergangenen Monaten immer deutlicher auf die Frage zielte, wie unabhängig der ORF in seinen Gremien tatsächlich entscheidet. Er sagte, er reiche das Mandat nach reiflicher Überlegung zurück und habe die Probleme nicht nur beobachtet, sondern erlebt.
Der Internist und ORF-Gesundheitsexperte sitzt seit 2025 im Stiftungsrat. Dorthin kam er über den SPÖ-nahen Weg in den Publikumsrat. Der Konflikt, der ihn nun zum Rückzug bringt, begann im Jänner mit einem Schreiben, das FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler über einen Anwalt zustellen ließ und das rechtliche Schritte androhte. Auslöser war Westenthalers Kommunikation mit einer Mitarbeiterin von Licht ins Dunkel über die Einladungspolitik für die Licht-ins-Dunkel-Gala; später ging es auch um Meryns ORF-Honorare und die Frage, ob seine Rolle im Gremium damit unvereinbar sein könnte.
Meryn stellt den Bruch als mehr dar als einen persönlichen Schlagabtausch. Er schrieb, die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass der ORF vor einer richtungsweisenden Entscheidung stehe, und dass die Debatte über Stiftungsrat, politische Einflussnahme, Transparenz und die echte Unabhängigkeit von Entscheidungen kein Nebenthema sei. Zugleich sagte er, es habe keine sachliche Aufarbeitung gegeben, sondern eine persönliche Auseinandersetzung; offen geblieben seien Fragen dazu, wie personenbezogene Daten weitergegeben wurden und wie die Entscheidungswege im Gremium tatsächlich liefen. Genau dort liegt der Widerspruch: Meryn fordert Aufklärung und spricht weiter von unbeantworteten Fragen, zieht sich aber aus dem Gremium zurück, bevor diese Fragen öffentlich geklärt sind.
Sein Abschied ändert daran vorerst wenig. Er wird noch bei der Wahl des nächsten ORF-Generaldirektors stimmen, danach endet sein Mandat mit dem Schluss der Sitzung. Meryn begründet den Schritt nicht als Kapitulation, sondern mit dem Anspruch, dass ein Aufsichtsorgan nur dann etwas bewirkt, wenn Kontrolle möglich ist, Transparenz eingefordert wird und auch unbequeme Fragen beantwortet werden. Ob der Stiftungsrat den Westenthaler-Konflikt und die offenen Fragen zu Transparenz und Einfluss damit neu ordnet, bleibt nach diesem Tag die entscheidende offene Stelle.

