Heinz Lederer hat Lisa Totzauer für das ORF-Verfahren um die Führung nominiert. Damit gehört sie zu jenen Namen, die am 11. Juni überhaupt vor den Stiftungsrat kommen können, wenn die nächste ORF-Spitze bestimmt wird.
Dass Totzauer in der Liste steht, ist deshalb mehr als ein formaler Eintrag. Nur die nominierten Bewerberinnen und Bewerber dürfen in die nächste Runde, und am Ende braucht es im 35-köpfigen Stiftungsrat mindestens 18 Stimmen, um den Posten zu gewinnen. Wer den Zuschlag erhält, soll ORF ab 2027 führen.
Lederer stellte seine Nominierung als Teil eines offenen Prozesses dar. Er nannte sich ein „einfaches Stiftungsratsmitglied“ und sagte, es gebe „mehr Transparenz als jemals zuvor“. Gleichzeitig bleibt der Kreis eng: Neben Totzauer nominierte er auch Clemens Pig, Johannes Larcher und Markus Breitenecker; von anderer Seite kamen Kathrin Zierhut-Kunz, Eva Schütz und Robert Altenburger dazu. Insgesamt erfüllten 13 von 75 Bewerbungen die ausgeschriebenen Kriterien für den Topjob.
Genau an dieser Stelle wird die Transparenzbehauptung heikel. Die Kandidatinnen und Kandidaten werden zwar am Montag um 20.15 Uhr öffentlich auf ORF III und ORF ON vorgestellt, die eigentlichen Hearings finden aber im ORF-Zentrum ohne Publikum statt. Auch die Abstimmung bleibt nicht offen: Der Stiftungsrat stimmt geheim ab, die Stimmen werden aber namentlich abgegeben und in einer qualitativen Stellungnahme festgehalten, die zwar dokumentiert, aber nicht veröffentlicht wird.
Der Ablauf ist damit klar geregelt, aber offen im Ergebnis. Die Findungskommission hat am Montag ihre Vorauswahl abgeschlossen, rechtlich kann das Verfahren bis zum Wahltag weiterlaufen, und wenn im ersten Durchgang niemand auf 18 von 35 Stimmen kommt, zieht eine zweite Runde mit den beiden stärksten Kandidaten weiter. Für Totzauer und die übrigen Nominierten entscheidet sich am 11. Juni nicht nur, wer ins Hearing kommt, sondern wer die Mehrheit holt und den ORF ab 2027 führt.

