Sieben Kandidaten sind nach Ablauf der Nominierungsfrist um 12.00 Uhr am Montag offiziell im Rennen um die ORF-Generaldirektion. Zu ihnen gehört Johannes Larcher, der in der Vergangenheit im Management von Hulu und HBO tätig war. Am Donnerstag entscheidet der Stiftungsrat, wer den Sender ab 2027 führen soll.
Gerade jetzt rückt Larcher in den Fokus, weil sich das Verfahren nach dem Ende der Einreichungen von der Bewerbung zur Entscheidung verschiebt. Die 35 Mitglieder des Stiftungsrats hören die Kandidaten am Donnerstag im ORF-Zentrum an, bevor sie abstimmen. Jeder hat dafür 20 Minuten Zeit, um sein Konzept vorzustellen; anschließend bleiben zehn Minuten für Fragen.
Die sieben Namen werden in alphabetischer Reihenfolge geführt. Für viele Beobachter ist das mehr als ein formaler Schritt, denn der künftige Generaldirektor muss nicht nur ein öffentlich-rechtliches Medienhaus führen, sondern auch das Vertrauen von Publikum und Belegschaft gewinnen. Welche Ansätze die Bewerber dafür vorlegen, wird in den Anhörungen sichtbar werden.
Bemerkenswert ist dabei die Art der Abstimmung. Das Votum ist geheim, die Stimmzettel sind jedoch namentlich gekennzeichnet, und der Stiftungsrat muss seine Entscheidung nach dem European Media Freedom Act begründen; die Begründung wird festgehalten, aber nicht veröffentlicht. Damit bleibt zwar das Ergebnis verborgen, aber nicht, wer es mitträgt. Die Wahl ist mit einfacher Mehrheit entschieden, doch wer mindestens 18 der 35 Stimmen nicht erreicht, muss in eine zweite Runde, in der nur die beiden Bestplatzierten bleiben.
Heinz Lederer, der Vorsitzende des Stiftungsrats und von der SPÖ nominiert, könnte bei einem Patt den Ausschlag geben. Der Ausgang am Donnerstag ist damit offen, aber der Rahmen ist eng gesetzt: Der ORF bekommt seine neue Führung erst, wenn einer der sieben Kandidaten die nötige Mehrheit hinter sich bringt.

