Ukraine hat Russland am Samstag mit einem groß angelegten Drohnenangriff getroffen, und ausgerechnet St. Petersburg stand im Zentrum der Luftabwehr. Nach Behördenangaben wurden rund um die Stadt 140 ukrainische Drohnen abgeschossen, während dort das jährliche internationale Wirtschaftsforum lief.
Genau deshalb suchten viele am Samstag nach Russland und St. Petersburg: Gouverneur Alexander Beglow warnte die Einwohner, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen. Er sagte außerdem, das mobile Internet könne unterbrochen werden. Am Morgen setzte der Flughafen Pulkowo vorübergehend keine Starts und Landungen ab, weil die Drohnengefahr den Betrieb störte.
Die Zahl macht deutlich, wie breit der Angriff angelegt war. In der Region Leningrad meldete Gouverneur Alexander Drosdenko den Abschuss von 141 Drohnen. Dort brach nach einem Angriff auf ein militärisches Objekt ein Feuer aus. Anwohner in der Nähe wurden als vorübergehende Sicherheitsmaßnahme evakuiert, und lokale Medien berichteten, dass in Bolschaja Ischora am Finnischen Meerbusen 600 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Eine verletzte Person kam ins Krankenhaus.
Auch Kronstadt, der von der russischen Marine genutzte Hafen in der Ostsee, wurde getroffen; dort wurde ein Brand gemeldet. Der ukrainische Geheimdienst SBU sagte, in Kronstadt seien Raketen- und Munitionsarsenale sowie Stützpunkte der Kriegsflotte getroffen worden. Außerdem habe man ein Öldepot in Ust-Labinsk in der Region Krasnodar angegriffen, rund 500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Berichte über Drohnenangriffe kamen auch aus anderen Teilen Russlands, darunter aus dem Raum Moskau, und aus dem Hafen von Mariupol im russisch annektierten Gebiet Donezk. Nach Explosionen gerieten laut den Meldungen auch Öldepots in Brand.
Der Schlag fiel auf einen Tag, an dem sich St. Petersburg als Gastgeber des Forums präsentieren wollte. Präsident Wladimir Putin hatte am Freitagabend dort gesagt, die Angriffe verursachten einen „gewissen Schaden“ für die Wirtschaft, zugleich aber gebe es keine Risiken für die russische Wirtschaft. Er sagte auch: „Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem“ und betonte, eine stärkere Luftabwehr sei wichtig. Genau dieser Widerspruch bleibt der Kern: Moskau beschreibt die Folgen als schmerzhaft, aber beherrschbar, während zugleich Flughäfen gestoppt, Bewohner evakuiert und mutmaßliche Energie- und Militärziele über mehrere Regionen hinweg getroffen wurden. Wie groß der Schaden an den angegriffenen Anlagen ist, sagte bisher niemand.

