Die Ukraine hat nach Angaben ihres Drohnenkommandeurs bereits 500 Ziele festgelegt, falls Belarus sich Russlands Krieg anschließt. Robert „Magyar“ Brovdi, der die Unmanned Systems Forces führt, richtete die Warnung direkt an Alexander Lukaschenko und machte klar, dass Kiew auf einen solchen Schritt sofort reagieren würde.
Gerade jetzt bekommt diese Drohung Gewicht. Erst vor wenigen Tagen beendeten Russland und Belarus dreitägige Atomübungen mit 64.000 Soldaten, mehr als 200 Raketenwerfern, mehr als 140 Flugzeugen, 73 Überwasserschiffen und 13 U-Booten. Acht der U-Boote waren mit nuklear bestückten Interkontinentalraketen ausgerüstet. Vor diesem Hintergrund wird in Kyiv jede Bewegung aus Minsk als möglicher Hinweis gelesen, dass Belarus noch tiefer in den Krieg hineingezogen werden könnte.
Brovdi wählte dafür eine Sprache, die keinen Zweifel ließ. Sinngemäß sagte er, ein bellender Hund beiße nicht, ein Raubvogel sei etwas anderes, und die ersten 500 Ziele stünden bereits auf der Liste. Er fügte hinzu, man solle der Ukraine nicht in den Weg kommen. Die Botschaft war nicht allgemein an Russland gerichtet, sondern an Lukaschenko persönlich.
Der belarussische Machthaber weist zugleich zurück, dass er plant, sein Land in den Krieg zu führen, solange keine Aggression gegen belarussisches Territorium verübt werde. Er sagte außerdem, er sei bereit, sich mit Wolodymyr Selenskyj zu treffen. Doch genau dieser Gegensatz verschärft die Lage: Selenskyj hatte Minsk erst vergangene Woche vor „Konsequenzen“ gewarnt, falls von belarussischer Seite aggressive Schritte gegen die Ukraine ausgehen sollten.
Die Spannungen zwischen Kyiv und Minsk sind seit langem nicht neu. Einige russische Truppen kamen bereits am 24. Februar 2022 aus belarussischem Gebiet in die Ukraine, als Russland seine großangelegte Invasion begann. Belarus bleibt ein enger Verbündeter von Wladimir Putin und beherbergt russische Atomwaffen, darunter das nuklearfähige Mittelstreckensystem Oreschnik. Für Kyiv ist das der Grund, warum die Grenze im Norden nicht mehr nur eine Nebenlinie des Krieges ist, sondern ein möglicher Ausgangspunkt für eine neue Front.
Britische Geheimdienste meldeten zuletzt zudem, dass fast eine halbe Million russischer Soldaten im Krieg getötet worden seien; Anne Keast-Butler sagte, Putins Krieg gehe „rückwärts“. Für Lukaschenko wird die Entscheidung damit immer enger. Hält er Belarus draußen, bleibt die Drohung bei Worten. Geht er einen Schritt weiter, könnte aus der Warnung rasch eine militärische Rechnung werden, auf die beide Seiten längst vorbereitet scheinen.

