Ein minutenlanges Erdbeben hat am Donnerstag um 5.50 Uhr die Bewohner der Phlegräischen Felder aus dem Schlaf gerissen. Das Beben mit einer Stärke von 4,4 lag offshore nahe Pozzuoli und Bacoli westlich von Neapel, in etwa drei Kilometern Tiefe, und war auch in Neapel zu spüren.
Verletzt wurde nach den verfügbaren Angaben niemand, abgesehen von der Angst, die das Beben auslöste. Die Schäden blieben gering. In den neun Gemeinden der Phlegräischen Felder blieben die Schulen geschlossen, damit die Gebäudesicherheit geprüft werden konnte, und auf einigen Bahnstrecken wurde der Betrieb vorübergehend gestoppt.
Für die Menschen in der Region war es ein weiterer Schlag in einem Gebiet, das seit Jahren unter wiederkehrenden Erdstößen lebt. Die Phlegräischen Felder sind ein Supervulkan mit einem Durchmesser von zwölf bis 15 Kilometern. Seit 2005 kommt es dort immer wieder zu Beben, ausgelöst durch aufsteigendes Magma und Gase aus einer großen Magmakammer in rund acht Kilometern Tiefe. Allein im April registrierte das INGV 315 Erdbeben in dem Gebiet.
Das Beben vom Donnerstag war nach Angaben der Fachleute das stärkste seit elf Monaten. Zuvor hatte es am 30. Juni 2025 in der sogenannten roten Zone ein Beben der Stärke 4,6 gegeben, das bis dahin stärkste seit dem Wiederaufflammen der Aktivität im Jahr 2005. Seit damals hat sich der Boden um 164 Zentimeter gehoben. Zuletzt verlangsamte sich dieser Anstieg von 2,5 Zentimetern pro Monat im vergangenen Oktober auf einen Zentimeter pro Monat.
Gerade diese Verlangsamung macht die Lage aber nicht harmlos. Eine im Frühjahr vorgestellte neue Studie kam zu dem Schluss, dass die derzeitige Hebung wahrscheinlich eher auf hydrostatischen Druck in einem hydrothermalen System als auf aufsteigendes Magma zurückzuführen ist. Giuseppe De Natale sagte, eine Eruption sei nicht auszuschließen. Zugleich deute im Moment in dem intensiv überwachten Gebiet trotz der häufigen Erdbeben wenig auf eine bevorstehende Eruption hin.
Die Phlegräischen Felder werden westlich von Neapel unter einem dicht besiedelten Gebiet mit rund drei Millionen Einwohnern beobachtet. Das INGV erklärte, geochemische Parameter würden dort dauerhaft überwacht und blieben auf hohem Niveau stabil. Für den Moment bleibt damit vor allem eines bestehen: ein Supervulkan, der weiter bebt, ohne dass die jüngste Erschütterung bereits den Beginn einer Eruption erkennen lässt.
