Codelco hat am 20. Mai 2026 eine interne Prüfung abgeschlossen, die möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Erkennung und Meldung der jährlichen Kupferfeinproduktion für das Geschäftsjahr 2025 nachging. Auslöser war eine Beschwerde, die am 3. März über den institutionellen Kanal einging. Die Untersuchung endete mit dem Befund, dass bei der Anwendung der internen Regeln für die Produktionsanerkennung Abweichungen vorlagen.
Betroffen waren 20.000 tmf an Oxiden aus der División Chuquicamata und 6.875 tmf an Calciumarsenit aus der División Ministro Hales. Zusammen entsprachen diese Mengen etwa 2 Prozent der im Jahr ausgewiesenen Eigenproduktion des Unternehmens. Nach den internen Kriterien hätten die Materialien wegen der noch notwendigen Weiterverarbeitung nicht als Endprodukte verbucht werden dürfen; sie hätten als Produkte in Arbeit ausgewiesen bleiben müssen.
Die Prüfung stellte Verstöße gegen Regeln, den missbräuchlichen Einsatz von Ausnahmeregeln und Mängel bei verpflichtenden Genehmigungen fest. Zudem sah sie Auswirkungen auf die Berechnung von Unternehmenszielen und variablen Anreizen. Gleichzeitig fand Codelco keine negativen Effekte, die eine Änderung der geprüften Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2025 erforderlich machen würden.
Die Folgen reichen damit über eine bloße Korrektur in der Statistik hinaus. Wenn Produktionsmengen nachträglich angepasst werden, müssen auch die daran geknüpften variablen Incentives neu berechnet werden. Der Verwaltungsrat wies die Geschäftsführung außerdem an, die Rückforderungsmechanismen nach Maßgabe der geltenden Regeln zu handhaben. Das Unternehmen kündigte zudem klärende Hinweise zur Produktionszahl im Geschäftsbericht, in der begründeten Analyse, auf der Unternehmenswebsite und in weiteren offiziellen Mitteilungen an.
Die interne Audit-Untersuchung ordnete individuelle Verantwortlichkeiten sieben Führungskräften und einem ehemaligen Führungskräfte-Mitglied aus der Casa Matriz sowie den Divisionen Chuquicamata und Ministro Hales zu. Codelco beschloss die Entlassung eines Managers und Rügen gegen die übrigen beteiligten Fachkräfte. Zugleich will das Unternehmen seine internen Regeln zur Produktionsberichterstattung überprüfen und aktualisieren.
Am weitesten reicht jedoch der nächste Schritt: Codelco wird eine Beschwerde bei der Public Ministry einreichen, damit mögliche Straftaten geprüft werden können. Damit ist aus einer internen Compliance-Frage ein Fall geworden, der nun auch strafrechtliche Folgen haben kann. Für das Unternehmen ist die zentrale Frage nicht mehr, ob die Zahlen angepasst werden müssen — das ist entschieden. Offen ist nun, welche Konsequenzen die Staatsanwaltschaft aus den festgestellten Verantwortlichkeiten ziehen wird.

