Mit »Das beste Stück aller Zeiten« haben die 75. Wiener Festwochen begonnen. Intendant Milo Rau brachte die Jubiläumsproduktion in der Halle E im Museumsquartier auf die Bühne und stellte den Auftakt damit direkt unter den Blick auf die eigene Geschichte.
Die Aufführung läuft bis 22. Mai und arbeitet sich dabei nicht nur durch 75 Jahre Festwochen, sondern auch weiter zurück. Auf der Bühne steht ein Container mit dem Schriftzug »Ausländer raus«, dazu zitiert die Produktion Christoph Schlingensiefs »Bitte liebt Österreich« und greift dessen Wirkung aus dem Jahr 2000 erneut auf. Damals sorgte die Aktion im Umfeld der Wiener Festwochen für Aufsehen, jetzt taucht sie als Material in einem Abend wieder auf, der die Vergangenheit des Festivals zum eigentlichen Thema macht.
Gewicht bekommt der Abend auch durch seine Form. Ein künstliches Interview und Videoausschnitte gehören zur Schlingensief-Szene, außerdem ist ein Gespräch mit dem Theaterkritiker Heinz Sichrovsky Teil der Produktion. Rau nutzt das nicht als bloße Rückschau, sondern als Versuch, die Festivalgeschichte über ihre bekannten Markierungen hinaus zu erzählen. Gerade darin liegt der Reiz des Abends: Er feiert das Jubiläum nicht mit Glanz, sondern mit Reibung.
Der Kontext dazu ist klar gesetzt. »Das beste Stück aller Zeiten – 75 Jahre Wiener Festwochen« ist als Rückblick auf das Festival angelegt, und die Bühne erinnert mit dem Container auch an frühere Wiener-Festwochen-Videos und -Texte. Parallel läuft im MAK bis 13. September die Ausstellung »Es ist nicht mehr mein Problem!« über Christoph Schlingensief. Eine Eintrittskarte der Wiener Festwochen 2026 bringt dafür bereits ermäßigten Zugang.
Die Spannung des Abends liegt darin, dass er sich nicht mit einer harmlose Jubiläumsfeier begnügt. Schlingensief ist nicht nur ein Zitatlieferant, sondern der Punkt, an dem sich die Frage nach politischer Provokation, Theater und öffentlicher Erinnerung bündelt. Rau antwortet darauf nicht mit Nostalgie, sondern mit einem Stück, das die eigene Festivalvergangenheit offenlegt und zugleich daran erinnert, wie sehr die Wiener Festwochen immer auch von ihren Störungen gelebt haben.
