Lesen: Cheops-pyramide trotzt Erdbeben dank eigenem Schwingungsmuster

Cheops-pyramide trotzt Erdbeben dank eigenem Schwingungsmuster

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Die Cheops-pyramide hat ein weiteres Rätsel überstanden. Ein Forscherteam aus Ägypten und Japan hat nun gemessen, warum das älteste und größte der drei Pyramiden von Gizeh bei Erdstößen so ungewöhnlich standfest bleibt.

Die Studie, veröffentlicht in , kommt zu dem Schluss, dass das Bauwerk mit seinen eigenen Schwingungen besser von Bodenbewegungen entkoppelt ist als der umliegende Untergrund. An 37 Messpunkten innerhalb und außerhalb der Pyramide registrierten die Wissenschaftler winzige Vibrationen. In der Cheops-pyramide lag das Muster demnach weitgehend einheitlich zwischen 2,0 und 2,6 Hertz, während der Boden rund um die Anlage im Schnitt bei etwa 0,6 Hertz schwang. Diese Differenz verringert die Resonanzverstärkung im Bauwerk.

Für die Messungen setzten Seismologen, Geologen und Archäologen aus Ägypten und Japan auf Umgebungsgeräusche statt auf ein künstlich ausgelöstes Beben. Genau diese leisen Signale zeigen nach Einschätzung des Teams, wie sich Schwingungen durch die Struktur der Pyramide ausbreiten. Dass der Boden unter und um das Monument anders reagiert als der Steinaufbau selbst, könnte einen Teil seiner besonderen Stabilität erklären.

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Die Zahlen stützen, was die Geschichte des Bauwerks schon lange andeutet. Die Cheops-pyramide wurde zwischen 2600 und 2450 v. Chr. vollendet und steht seit rund 4.500 Jahren ohne größere Schäden. Selbst ein mit einer geschätzten Stärke von 6,8 richtete nur wenig an. Und als 1992 ein schweres Beben die Metropolregion Kairo traf, blieb die Pyramide fast unversehrt, obwohl anderswo erhebliche Zerstörungen entstanden.

Im Inneren fanden die Forscher noch einen zweiten Effekt: Von der Felsunterlage aus wurden die Vibrationen bis zu einer Höhe von fast 50 Metern vierfach verstärkt. Doch oberhalb der Königskammer schwächen Entlastungskammern diese Resonanz wieder ab. Nach Darstellung von und seinen Kollegen könnte genau diese Kombination zur außergewöhnlichen seismischen Beständigkeit des Monuments über Jahrtausende beigetragen haben.

Die neue Analyse fügt sich in ältere Erklärungen ein, die bisher vor allem als plausibel, aber nicht ausreichend belegt galten. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob der Grundriss, der niedrige Schwerpunkt, die harte Kalksteinbasis und die Konstruktionsweise die Stabilität der Pyramide erhöhen. Die neue Messreihe liefert nun erstmals konkrete seismische Hinweise dafür, dass nicht nur die Masse des Bauwerks, sondern auch sein Frequenzverhalten entscheidend ist.

Für die Forschung bleibt die Cheops-pyramide damit nicht nur ein Wahrzeichen und eines der sieben Weltwunder der Antike. Sie ist auch ein ungewöhnlich belastbares Modell dafür, wie sich antike Architektur gegen Naturkräfte behaupten konnte — und warum dieses Monument selbst nach Jahrtausenden noch Fragen stellt, die moderne Messtechnik erst jetzt beantworten kann.

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