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Schwarz-grüne Koalition: Die Pizza-Connection lebt im Berliner Hinterzimmer weiter

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An einem Dienstagabend im Mai 2025 trafen sich Abgeordnete von Union und Grünen in einem italienischen Restaurant in Berlin-Moabit. Sie gingen in ein Hinterzimmer mit petrolgrünen Wänden, wo die Tischgesellschaft, wie schon so oft in Sitzungswochen des Bundestags, unauffällig zusammenkam.

Mit dabei waren auch die Grünen-Fraktionschefinnen und , die kurz nach hinten ins Separee gingen und dort rund zwei Dutzend Abgeordnete begrüßten. Die Stimmung war heiter. Fraktions- und Parteispitzen sind bei dieser Runde üblicherweise nicht dabei und waren auch an diesem Abend nicht eingeladen. Dass die Treffen dennoch Aufmerksamkeit bekommen, hat auch mit dem politischen Umfeld zu tun: Vor der Bundestagswahl hatte vor allem die CSU die Grünen zum Hauptgegner erklärt. sagte im Wahlkampf, er werde wieder „Politik für Deutschland“ machen und nicht für irgendwelche „grünen und linken Spinner“. Markus Söder rief: „Kein schwarz-grün!“ und ergänzte: „Die Grünen gehören von der Regierungs- auf die Oppositionsbank.“

Die Runde selbst hat eine längere Geschichte. Die ist eine verschwiegene Verbindung zwischen Union und Grünen, die vor rund 30 Jahren entstand. In der Endphase der CDU-Kanzlerschaft von Helmut Kohl gründeten progressive Christdemokraten und konservative am damaligen Parlamentssitz Bonn eine vertrauliche Runde. 2013 belebten und die Idee neu, aus Frust darüber, dass ihre Parteien kurz zuvor an dem Versuch gescheitert waren, eine Koalition zu bilden. Seitdem treffen sich Abgeordnete beider Lager in den Sitzungswochen des Bundestags, meist fern jeder Öffentlichkeit und ohne großen Formalismus.

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Dass diese Treffen im Mai 2025 wieder besonderes Interesse wecken, liegt auch an der Lage in Berlin. In der schwarz-roten Bundesregierung kriselt es, und damit rückt eine vertrauliche Brücke zwischen Union und Grünen wieder stärker in den Blick. Gerade weil Fraktions- und Parteispitzen nicht Teil der Pizza-Connection sind, bleibt sie ein Ort für Gespräche unter Abgeordneten, nicht für öffentliches Koalitionstheater. Genau das macht die Runde politisch interessant: Sie hält den Kontakt offen, auch wenn die offizielle Sprache nach der Wahl zunächst scharf geblieben ist. Ob daraus je mehr wird, ist offen. Sicher ist nur, dass die schwarz-grüne Koalition als Idee in diesen Hinterzimmern weiter mitläuft, selbst wenn sie auf den Wahlplakaten zuvor laut zurückgewiesen wurde.

Bei dem Treffen in Moabit zahlte die Tischgesellschaft am Ende 16,50 Euro.

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