Die Stadtbibliothek Magdeburg hat eine für den 5. Juni geplante Lesung mit Arne Semsrott abgesagt, ohne einen Grund zu nennen. Semsrott sagte, er sei von seiner eigenen Lesung in der Stadtbibliothek ausgeladen worden.
Der Transparenzaktivist und Leiter des Portals FragDenStaat wollte aus seinem Buch „Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ lesen. Darin beschreibt er, wie die Zivilgesellschaft auf den politischen Rechtsruck reagieren kann. Gegenüber MDR sagte Semsrott, ihm sei mitgeteilt worden, der Inhalt seines Buches sei „zu provokativ“.
Gewichtig ist an dem Vorgang nicht nur die Absage selbst, sondern auch die Frage, wer sie ausgelöst hat. Semsrott sagte Deutschlandfunk Kultur, er gehe „sehr stark davon aus“, dass die Entscheidung mit einer kritischen AfD-Anfrage im Magdeburger Stadtrat zu einer früheren Lesung zusammenhängt. Zudem sagte die Heinrich-Böll-Stiftung MDR zufolge, die Stadtbibliothek habe die Veranstaltung nach politischem Druck aus der Stadtverwaltung abgesagt.
Die Stadtbibliothek teilte mit, sie hätte die Lesung „sehr gerne“ veranstaltet und verstehe sich als Ort des demokratischen Austauschs. Die Stadt Magdeburg sagte MDR hingegen, die Lesung sei nicht abgesagt, sondern nur verschoben worden. Als neuen Ort nannte sie das Kulturzentrum Moritzhof. Auf eine Anfrage der Tagesspiegel nannte die Stadt keinen Grund für die Verlegung und erklärte, Oberbürgermeisterin Simone Borris werde sich in der Stadtratssitzung am Donnerstag dazu äußern.
Genau in dieser Differenz liegt der Konflikt: Für die Bibliothek ist es eine Absage ohne Begründung, für die Stadt eine bloße Verlegung. Semsrott selbst lässt daran wenig Zweifel, wie er die Sache einordnet. Er sagte, er habe den Eindruck, „dass die Stadt jetzt dachte: Ach, den Stress, den wollen wir nicht haben in Zukunft, dann lassen wir den Semsrott lieber nicht bei uns lesen“.
Nach der Auseinandersetzung stellte Semsrott bei der Stadt Magdeburg einen Informationsantrag, um herauszufinden, wer Druck ausgeübt haben könnte. Der Fall berührt damit auch seine Arbeit bei FragDenStaat, dem Portal, das unter anderem die NSU-Unterlagen des Verfassungsschutzes veröffentlicht hat. Für Magdeburg ist die Sache damit nicht erledigt, sondern landet nun erst recht in der politischen Öffentlichkeit.
Wie die Stadt am Donnerstag erklärt, dürfte darüber entscheiden, ob aus einer umstrittenen Verschiebung ein offener Streit um politische Einflussnahme wird.
