José Antonio Neme antwortete am Mittwoch in „Mucho Gusto“ auf die Kritik von Alejandra Valle und stellte sich entschieden gegen den Vorwurf, er und Rodrigo Sepúlveda hätten im Umgang mit der Politik eine einseitige Rolle gespielt. Der Moderator widmete seiner Kollegin zunächst „30 segundos“, wie er sagte, und nutzte die Zeit, um ihre Vorwürfe zurückzuweisen.
Der Streit begann in der Websendung „La Voz de los que Sobran“, wo Valle Neme und Sepúlveda kritisierte. Valle sagte dort, sie ärgere sich darüber, dass Menschen ihre Analysen feierten, weil sie nach ihrer Darstellung einer Person Kampagne gemacht hätten, die Dinge versprochen habe, die unmöglich einzuhalten seien. Neme ging am Mittwoch direkt darauf ein und erklärte, er sehe fast alle Medien und liebe politische Sendungen von links, aus der Mitte und von rechts.
Dann forderte er Valle und alle, die ähnlich dächten, auf, ein Foto von ihm bei einer politischen Kundgebung zu veröffentlichen. Ebenso solle man ein Bild zeigen, auf dem er den Kandidaten Kast interviewe. Neme sagte, das sei während des gesamten Wahlkampfs nicht möglich gewesen, weil Kast nie ins Studio habe kommen wollen. „Ich wurde zu keiner Debatte eingeladen — mir ist das egal —, was ich sagen will, ist, dass ich nicht einmal die Möglichkeit hatte, mit ihm Gedanken auszutauschen“, sagte er.
Mit dem Hinweis auf die Kampagne stellte Neme klar, dass er Kast während des Wahlkampfs nie befragt habe und dafür auch keine Gelegenheit bekommen habe. Er machte damit aus seiner Sicht einen Unterschied zwischen redaktioneller Berichterstattung und politischem Aktivismus. Der Moderator lenkte die Diskussion dann auf Valle selbst und erinnerte daran, dass sie 2022 Teil der Apruebo-Kampagne gewesen sei.
Aus seiner Sicht lag genau dort der entscheidende Punkt. Neme sagte, Valle habe an einer Veranstaltung teilgenommen, bei der es eine Performance des Kollektivs Las Intratables gegeben habe. Außerdem verwies er auf eine „Colonoscopia“ mit der chilenischen Flagge. „No así Alejandra Valle... y eso sí era un acto de campaña“, schloss er und machte damit klar, dass er diesen Auftritt als eigentliche Wahlwerbung wertet.
Der Konflikt ist mehr als ein persönlicher Schlagabtausch. Er berührt die größere Frage, wie Fernsehgesichter und politische Lager in Chile aufeinander reagieren, wenn die Berichterstattung über José Antonio Kast und die Erinnerung an die Apruebo-Kampagne von 2022 in denselben Streit geraten. Für Neme war der Mittwoch die Gelegenheit, sich gegen den Vorwurf der Parteinahme zu wehren und ihn mit Verweis auf Valle umzudrehen.
Damit ist die Front für den Moment klar: Valle wirft Neme und Sepúlveda vor, mit ihren Analysen politische Kampagne gemacht zu haben, Neme hält dagegen, dass gerade Valle selbst 2022 offen politisch aufgetreten sei. Der Streit dürfte deshalb nicht mit dieser Antwort enden, sondern die Debatte darüber verschärfen, wer in der chilenischen Medienlandschaft noch als Kommentator spricht und wer schon als Aktivist auftritt.

