Fortuna Düsseldorf hat am Dienstag nach dem Abstieg in die 3. Liga eine Medienrunde mit Sportdirektor Sven Mislintat abgehalten. Der 52-Jährige stellte dabei klar, dass der Fall tiefer reicht als ein schwacher Schlussspurt: Die finanziellen Verluste durch TV-Geld und der Wertverfall des Kaders seien „katastrophal“, sagte er sinngemäß, und der Abstieg sei nicht die Folge von fünf Spielen, einer Rückrunde oder sogar eines Jahres, sondern eines längerfristigen strukturellen Defizits.
Mislintat machte sich dabei selbst mitverantwortlich. Er sagte, er gehöre mit dem halben Jahr seiner Arbeit vollständig in die Analyse, inklusive seiner Entscheidungen und seines Handelns. Dazu zählte für ihn auch, dass er in schwieriger Lage zunächst mit Markus Anfang weitermachte und erst nach vier Niederlagen in Serie den Wechsel vollzog. Für Fortuna ist das mehr als eine Nachbetrachtung, weil die Frage nach der sportlichen Linie nun direkt mit der Kaderplanung für die 3. Liga verbunden ist.
Der Sportdirektor forderte einen breiten Blick auf den Klub. Es gehe um Spielphilosophie, Leistungshebel, einen Culture Code, Infrastruktur und das Trainingsgelände, außerdem um die Frage, warum es so viele Verletzungen gegeben habe. Besonders das Containerdorf auf dem Profigelände nannte er ein großes Thema; eine Verbesserung dort sei für gute Zweitligabedingungen unabdingbar. Nach seinen Worten sei die Stadt dabei sehr kooperativ. Genau dort, an Kader, Struktur und Umfeld, entscheidet sich nun, ob Fortuna den Absturz als Ausrutscher behandelt oder als Warnung mit langer Wirkung.
Auch die Personalfragen im vergangenen Winter nahm Mislintat ausdrücklich in den Blick. Bei 23 auslaufenden Verträgen habe der Klub Perspektive ergänzen und zwei Sofortverstärkungen holen wollen. Das sei mit Satoshi Tanaka gut gelungen, bei Marin Ljubicic habe es statistisch nicht funktioniert, sagte er. Für die 3. Liga seien zudem Kilian Sauck und Jordi Paulina zwei sehr spannende Profis. Gleichzeitig steht Fortuna vor einer dünnen Ausgangslage: Der Sportdirektor sagte, dem Verein stünden derzeit nur sieben Spieler zur Verfügung.
Beim Trainer Alexander Ende nahm Mislintat den Druck aus der Debatte. Der Abstieg sei eine Entwicklung aus mehreren Jahren, Ende habe ohne richtige Vorbereitung den besten Punkteschnitt geholt und eine klare Handschrift gezeigt. Ihn komplett aus der Kritik zu nehmen, sei nur fair, sagte Mislintat; Ende sei für Fortuna der beste Coach für die 2. Bundesliga und die 3. Liga. Zugleich verwies er auf die harte Realität nach einem Abstieg: In den vergangenen zehn Jahren schafften nur vier der letzten zehn Absteiger den direkten Wiederaufstieg, zwei gingen sogar gleich weiter nach unten. Dass vor einem Jahr noch der Aufstieg das Ziel gewesen sei und jetzt der Gang in die 3. Liga feststeht, macht die Lage nur schärfer.
Für Fortuna beginnt damit ein Umbau unter Zeitdruck. Die 23 auslaufenden Verträge, die offene Identitätsfrage und die schwache Ausgangsbasis mit nur sieben Spielern lassen kaum Spielraum für Fehler. Mislintats Botschaft war am Dienstag unmissverständlich: Der Klub muss nicht nur eine Liga tiefer neu anfangen, sondern sich in seiner Substanz neu sortieren.

