Lesen: Marcel Reif über AfD-Erfolge: Warnung vor Gleichgültigkeit in Deutschland

Marcel Reif über AfD-Erfolge: Warnung vor Gleichgültigkeit in Deutschland

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macht sich Sorgen über die AfD und darüber, wie gelassen viele Menschen auf ihre Wahlerfolge reagieren. Im Podcast „“ sagte der 76-Jährige, er frage sich angesichts der Entwicklung: „Ist das nicht sehr, sehr resignativ?“

Reif, 1949 als Sohn eines polnischen Juden geboren, stellte seine Sorge in einen größeren historischen Zusammenhang. Er verwies auf sein Wissen über die und sagte: „Vielleicht geht's uns auch zu gut. Vielleicht ging's uns allen zu lange zu gut. Daraus haben wir eine Gleichgültigkeit gegenüber falschen Tendenzen und Strömungen entwickelt. Und lassen es so laufen.“

Der frühere Sportkommentator lebt heute mit Hauptwohnsitz in München, nachdem er 2013 die Schweizer Staatsbürgerschaft annahm und die deutsche aufgab. Er sagte dazu mit Blick auf seinen Schweizer Pass: „Och, mit dem Schweizer Pass kann ich jederzeit wieder zurückgehen.“ Dass er überhaupt über einen Wegzug nachdenkt, macht den Ton seiner Warnung schärfer. Es ist nicht die Stimme eines Beobachters aus der Distanz, sondern die eines Mannes, der sich auskennen will mit dem, was aus politischer Müdigkeit werden kann.

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Die familiäre Erfahrung, auf die Reif immer wieder zurückkommt, ist eng mit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verknüpft. Sein Vater entkam dem Mord durch die Nationalsozialisten nur knapp. In seiner Rede 2024 im zum Gedenken an die Opfer des griff Reif das Motto seines Vaters auf: „Sej a Mensch!“ Diese Biografie erklärt, warum er die jüngsten Erfolge der AfD nicht als gewöhnliche Parteigeschichte behandelt, sondern als Warnsignal.

Reif sagte, „40 Prozent der Deutschen sind ja keine Nazis“, fügte aber hinzu: „Aber es verfängt zunehmend irgendein Quatsch, den du doch als Quatsch identifizieren kannst. Aber wir kriegen es nicht hin.“ In dieser Spannung liegt der Kern seiner Sorge: Nicht die Mehrheit, sondern die Abstumpfung gegenüber dem Offensichtlichen bereitet ihm Probleme. Mit dem Satz „Euch wird das Lächeln schon noch vergehen“ beschrieb er die Härte, die er in den aktuellen Entwicklungen erkennt.

Die politische Botschaft trifft bei Reif auf eine zweite Arbeit, die er bis heute macht. Er besucht weiterhin Schulklassen, um mit Kindern über den Holocaust zu sprechen. Über diese Begegnungen sagte er: „Die hören zu, und nicht weil sie müssen, und die stellen danach vernünftige Fragen.“ Zu den Schülern sagt er auch: „Niemand kann euch verantwortlich machen für das, was damals war, aber wenn es sich wiederholt, ist jeder Einzelne von euch schuldig, das sage ich euch, und ich werde euch finden.“ Die Jugendlichen nähmen das, so Reif, „mannhaft und frauhaft zur Kenntnis“ und sagten, es sei „kluges Zeug“.

Gerade darin liegt die Schärfe seines jüngsten Auftritts. Reif spricht nicht wie jemand, der sich von der Gegenwart abgewandt hat, sondern wie einer, der sie mit den Maßstäben der Vergangenheit misst. Seine Schlussfolgerung fällt deshalb nicht beruhigend aus, sondern mahnend: „Es ist noch nicht alles verloren.“

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