Fender hat der kalifornischen Boutique-Firma LSL Instruments ein Unterlassungsschreiben geschickt und verlangt, dass der Hersteller seine S-Style-Gitarren nicht mehr produziert, verkauft oder bewirbt. Die Auseinandersetzung folgt auf einen juristischen Sieg des Konzerns in Deutschland und könnte weit über die USA hinaus Wirkung entfalten.
Das Schreiben, über das der YouTube-Kanal Tone Nerds berichtete, ging nach Angaben von LSL Instruments von Fenders Anwälten ein. Das Unternehmen reagierte mit einer GoFundMe-Kampagne, um Geld für die Verteidigung zu sammeln. Für kleine Gitarrenbauer ist das mehr als ein Einzelfall. Es ist ein Signal, dass Fender seinen Anspruch auf die Form der Stratocaster deutlich aggressiver durchsetzen will.
Im März hatte das Regionalgericht Düsseldorf entschieden, dass die Stratocaster ein originales schöpferisches Werk ist und in Deutschland sowie der EU durch verschiedene Schutzrechte erfasst wird. Nach dieser Entscheidung könnte Fender gegen jede Firma vorgehen, die Gitarren mit dem Stratocaster-Korpusdesign herstellt und in den EU-Markt verkauft, unabhängig davon, wo die Instrumente gebaut werden oder wo das Unternehmen sitzt. LSL Instruments sagt, genau das mache den Fall so gefährlich. Die Firma warnt, das bedrohe nicht nur das eigene Geschäft, sondern auch die Zukunft von S-Style-Gitarren für Hersteller und Spieler in der Europäischen Union.
LSL Instruments hält dagegen, dass Leo Fender das Stratocaster-Korpusdesign nie urheberrechtlich geschützt habe, sondern nur die Kopfplatte. In seiner Darstellung würde das deutsche Urteil Folgen haben, die weit über Europa hinausreichen. Die Firma schreibt, das Verlangen gehe noch weiter und fordere ein vollständiges Ende von S-Style-Gitarren. Die Formulierung lässt wenig Spielraum: „However, the demand stated that we stop making and selling S-style guitars, period.“
Auch von außen wächst der Druck. Phillip McKnight sagte, er sei von mehreren kleinen Herstellern kontaktiert worden, die sich in einer ähnlichen Lage sehen. In einem weiteren Kommentar sagte er, „apparently Fender has decided to go nuclear on all small builders – and just builders period“. Für die Branche trifft der Fall einen wunden Punkt, weil er nicht nur ein Produkt betrifft, sondern die Frage, wie weit sich ein Instrumentendesign überhaupt abschirmen lässt.
Fender verweist zugleich auf die Bedeutung des Urteils in Deutschland. Aarash Darroodi nannte die Entscheidung eine bedeutsame Bestätigung der Stratocaster als originales kreatives Werk und einen wichtigen Schritt, um die Integrität von Fenders Designs und geistigem Eigentum zu schützen. Das unterstreiche das Bekenntnis zu Originalität, unterstütze fairen Wettbewerb und helfe sicherzustellen, dass Spieler bei diesen ikonischen Gitarrenformen die Handwerkskunst, Qualität und Herkunft hinter den Instrumenten erkennen könnten. Der Konzern hat damit eine Linie gezogen: Die Form der Stratocaster soll nicht als frei verfügbare Vorlage behandelt werden.
Der Streit hat eine Vorgeschichte. Fender verlor in den Vereinigten Staaten bereits frühere Versuche, die Körperformen von Stratocaster und Telecaster als Marke schützen zu lassen. Die US-Markenbehörde stufte die Stratocaster-Form als generisches Design einer E-Gitarre ein. Der aktuelle Konflikt dreht sich deshalb nicht um ein bekanntes Logo oder einen Namen, sondern um die Frage, ob S-Style- oder Stratocaster-ähnliche Korpusse nach deutschem und europäischem Recht begrenzt werden können. Dass Fender dafür nun auf ein Gerichtsurteil aus Düsseldorf und auf ein Unterlassungsschreiben an einen kleinen Hersteller setzt, zeigt, wie entschlossen der Konzern ist, diese Frage in seinem Sinn zu beantworten.
LSL Instruments selbst formuliert die Gefahr aus seiner Sicht so: „This threatens not only our business, but also the future of S-style guitars for builders and players across the European Union“. Ob sich dieser Kampf auf weitere kleine Hersteller ausweitet, dürfte sich an der Frage entscheiden, ob Fender den deutschen Sieg in eine breitere Durchsetzung überführt. Im Moment spricht vieles dafür, dass der Streit nicht bei LSL Instruments enden wird.

