Der Schwerpunkt des Ozeans ist zwischen 1992 und 2017 messbar abgesunken. Forscher der Universität Göteborg berechneten mit dem globalen Ozeanmodell ECCOv4r4 einen Rückgang um 0,66 Zentimeter pro Jahrzehnt; über 26 Jahre verschob sich der Schwerpunkt damit um fast zwei Zentimeter nach unten.
Das ist mehr als eine statistische Kuriosität. Wenn sich warmes Wasser häufiger an der Oberfläche hält und kaltes, dichteres Wasser tiefer unten sammelt, wird der Ozean schlechter durchmischt. Betroffen sind nicht nur Wasser und Wärme, sondern auch CO₂ und Nährstoffe. Für viele Fischarten ist das heikel, weil sie darauf angewiesen sind, dass nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe nach oben gelangt.
Fabien Roquet fasste die Bedeutung der Messung so zusammen: „Das ist ein wichtiger Indikator für den fortschreitenden Klimawandel im Ozean.“ Und er ergänzte: „Wir sehen nicht nur, dass die Schichtung zunimmt, sondern dass sie dies stetig über die Zeit tut.“ Die Studie fand die stärksten Veränderungen im tropischen Pazifik, im Indischen Ozean und entlang großer Meeresströmungen wie dem Golfstrom-System. Auch in der Arktis zeigten sich deutliche Veränderungen.
Die Einordnung ist dabei entscheidend. Frühere Auswertungen blickten laut den Forschern oft nur bis 200 Meter Ozeantiefe, doch genau das halten sie für zu ungenau, um die Entwicklung des ganzen Systems zu erfassen. Die neue Rechnung legt nahe, dass die Erwärmung der oberen Wasserschichten den Ozean nicht nur erwärmt, sondern ihn auch stabiler und schwerer durchmischbar macht. Damit wächst das Risiko für Folgen, die weit über einzelne Meeresregionen hinausreichen.
Genau dort liegt der Konflikt der Studie: Die Veränderungen sind bereits messbar, aber ihre volle Wirkung zeigt sich erst mit Zeitverzug. Klima, Fischbestände und große Strömungssysteme wie die AMOC können beeinflusst werden, doch wie stark und wie schnell bleibt offen. Sicher ist nur, dass der Ozean nicht mehr so mischt wie früher — und dass diese Verschiebung weiterläuft.
